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Puppenwut

Petra Stöckle sammelt Kinderträume

Aus dem typischen Alter, in dem kleine Mädchen mit Puppen spielen, ist Petra Stöckle längst raus. Und dennoch ist die Jöhlingerin geradezu Puppen-verrückt. Die Wurzel für diese Leidenschaft liegt nicht in ihrer Kindheit. Viel später „habe ich einen Teddybären von meiner Nachbarin erhalten“, erinnert sie sich an das Ereignis vor 30 Jahren,

das zum Auslöser einer außergewöhnlichen Liebe wurde und einer Sammelwut, die sich gewaschen hat.

Die Sammelwut hat sich über die Puppen hinaus entwickelt auch wenn sie den „Ur-Teddy“ („den gebe ich nicht mehr her“) immer noch in einer Vitrine an einem ganz besonderen Platz aufbewahrt. Aus den Puppen sind längst Puppenstuben geworden. In den Wohnzimmern im Miniformat bildet sie die Realität im Kleinen ab. So richtig „mini“ sind die Puppenstuben aber nicht. 80 Zentimeter breit immerhin sind sie im Durchschnitt, 40 Zentimeter hoch und 20 Zentimeter tief. Fast überall in dem Haus der Sammlerin trifft man entweder auf vollständige Exemplare oder deren Versatzstücke.

Schon im Erdgeschoss fängt es damit an und setzt sich bis ins Dachgeschoss fort. Dort kulminiert es. Allein in einem geräumigen, nur diesem Zweck vorbehaltenen Zimmer hängen 32 Puppenstuben an der Wand. In den unteren Stockwerken kommen weitere hinzu und addieren sich auf rund 60 Exemplare. Daran lässt sich ermessen: das Haus muss schon sehr geräumig sein und der Mann viel Geduld haben, wie sie lächelnd gesteht und der Göttergatte auch einräumt.

Es sind Puppenstuben, Teddybären, alte Puppen, mit denen Mädchen tatsächlich einmal gespielt haben. Eine einsame Ritterburg nur hat sich dazwischen geschlichen. Die Exemplare hat sie allesamt nicht neu gekauft. Als leidenschaftliche Flohmarktgängerin, aber auch –beschickerin hat sie ihre Schätze in ganz Nordbaden gesammelt. Die Affinität zum Flohmarkt merkt man sofort, wenn man ihr Haus betritt. Ganz überraschend kommt die Leidenschaft nicht. Als Tochter eines Schrotthändlers hat sie früh schon zusammen mit dem Papa Flohmärkte besucht.

Den durchweg älteren Stücken, die sie dort erwirbt, sieht man ihr Alter an. Heruntergekommene Exemplare scheut sie aber nicht. Sie legt dann selbst Hand an. „Mich fasziniert es, wenn ich sie wieder hinkriegen kann aus dem desolaten Zustand“, zeigt sie sich in dieser Frage ehrgeizig. Das reicht bis zum Tapezieren der kleinen Wohnzimmer. Das muss aber die Original-Tapete für genau diese bestimmte Puppenstube sein.

Die Suche nach dem Ersatzteil kann schon mal etwas dauern. „Nur wenn ich etwas Schöneres auf dem Flohmarkt oder im Internet finde, dann ersetze ich die Dinge, die missraten sind“, erklärt die 59-Jährige. Wartet sie aber allzu lange, „dann schicke ich das schon mal zu Schildkröt zur Reparatur.“ Ein teurer Spaß, der sich nicht lohne, denn die Reparatur falle in aller Regel teurer aus als das Objekt selbst wert ist.

Der Preis spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. „Ich stehe einfach auf die alten Sachen, auf die Qualität , die früher alles hatte“, sagt sie und deutet auf eines der alten Exemplare. Sie habe einen Blick dafür, welche selbst gebastelt wurden meistens von einem stolzen Papa oder im Winter von einem Opa. Gekaufte stammen zumeist aus einer längst aufgegebenen Produktion in der DDR. Jetzt aktuell gebe es nur noch Made in China. Das aber ist nichts für Petra Stöckle. Mit dem neumodischen Zeug will sie nichts zu tun haben.

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