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Prävention

Wenn Missbrauch von Kindern entdeckt wird,
macht das in aller Regel Schlagzeilen. Etwa als Anfang des Jahres ein Freiburger Paar aufflog, das seinen Sohn im Internet anbot und Pädophile sich an ihm vergehen ließen. Was weit weg cerscheint, macht allerdings auch vor dem Landkreis Karlsruhe nicht halt, wie Stefanie Vogt während einer Infoveranstaltung zur Prävention von sexualisierter Gewalt in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Wössinger Hof berichtete. Die Fachanwältin für Strafrecht, deren Arbeitsschwerpunkt die Opfervertretung ist, verwies auf den Fall eines Jugendbetreuers bei der Ettlinger Feuerwehr hin, der zwar schon einige Jahre zurückliege, allerdings beweise, dass das Problem durchaus auch im Landkreis virulent sein könne.

Mit Achtsamkeit müssten deshalb gerade die Jugendbetreuer von Vereinen, die Schulen und die Kindergärten auf das Verhalten von betroffenen Kindern reagieren, war sie sich mit der zweiten Referentin Simone Kurth vom Wildwasser-Frauennotruf einig. Weit über 60 Vertreter waren auf Einladung der Walzbachtaler Jugendsozialarbeiterin Julia Stahl zu der gemeinsamen Veranstaltung von Kreisjugendring, Landkreis und Gemeinde in die Scheune des Wössinger Hofs gekommen. Gegen den Mißbrauch könne man etwas tun, meinte schon einleitend Bürgermeister Karl-Heinz Burgey, der die Notwendigkeit betonte, sich mit diesem Aspekt zu beschäftigen.

Das werde schon durch das große Interesse an den bisher im Landkreis zu diesem Thema bereits abgehaltenen Veranstaltungen deutlich, unterstützte Claudia Kühn-Fluhrer diese These. Die Leute seien unsicher, wie sie mit dem Thema umgehen und wie sie auf Verdachtsfälle reagieren sollen, meinte die Bildungsreferentin des Kreisjugendrings. Allzu vorschnell würde oft behauptet: „Bei uns kann so was nicht vorkommen“. Aber es finde eben doch statt. Die Veranstaltung wolle Hilfestellungen an die Hand geben, wie man Signale von Kindern richtig deuten könne.

Dafür war dann Simone Kurth zuständig. Die Wildwasser-Frau gab einen detaillierten Einblick in die Definition des sexuellen Missbrauchs, der in weiten Bereichen wissenschaftlichen Vorlesungs-Charakter hatte. Sie räumte mit dem weit verbreiteten Irrglauben auf, hauptsächlich Fremde würden sich an Kindern vergehen. Im Gegenteil seien zu 90 Prozent Tanten, Onkel, Bekannte, Freunde oder die Eltern selbst die Täter. Begünstigend sei das Abhängigkeitsverhältnis der Kinder, die im Loyalitätskonflikt sich dann meist für das Schweigen entscheiden. Falls eine Entdeckung doch einmal gelinge, sei das oberste Gebot, Ruhe zu bewahren und nicht die Anzeige bei der Polizei. Dennoch solle man schnell reagieren und andere Hilfsangebote wahrnehmen, allerdings nicht gegen den Willen oder ohne Information der betroffenen Kinder.

Rechtlich beleuchtete Stefanie Vogt das Problem. Die Fachanwältin für Strafrecht berichtete aus ihrer langjährigen Erfahrung vor Gericht und sparte dabei die Details nicht aus, die dort zur Sprache kamen und kommen. Umfänglich ging sie auf Zeugenpflichten und die Opferrechte ein („bei uns gibt es einen Opferschutz de Luxe“). Praktische Tipps und Hilfestellungen für die Arbeit mit Jugendlichen gab es in einem zweiten Teil, in dem der Weg zu einem Präventionskonzept in der Vereinsjugendarbeit vorgestellt wurde.

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