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Pilze satt

Annette Hochadel auf Pilzsuche an der Langen Richtstatt
Die Lange Richtstatt ist einer der meist begangenen Wössinger Spazierwege. Wer in den goldenen Oktobertagen dort unterwegs war, der hatte gute Chancen etwas abseits des Weges eine interessante Beobachtung zu machen. Da schlich des Öfteren ein buntes Wesen mit kurzer blonder Stoppelfrisur tief vornübergebeugt durchs Gebüsch. Das Gebiet an der Langen Richtstatt ist nämlich für Annette Hochadel nicht aus der Sicht des Spaziergängers interessant.

Annette Hochadels Liebling: Der Steinpilz

Dort hat sie nur Pilze im Sinn. Dort findet sie Safranschirmlinge, den Mönchskopf, die Rüblinge, rauchblättrige Schwefelköpfe (trotz des das Gegenteil signalisierenden Namens durchaus genießbar und wohlschmeckend im Gegensatz zum grünblättrigen Schwefelkopf), die Totentrompete und selbstverständlich auch den Liebling aller Pilzsammler: stattliche Exemplare des Steinpilzes.

Dies alles zu unterscheiden ist für sie kein Problem. Sie ist eine ausgefuchste Pilzkennerin. Das fing bei ihr schon in der Kindheit an. „Schon als ich vier Jahre alt war bin ich mit meiner Mutter auf dem Fahrradrücksitz mit in den Wald gefahren“, erinnert sie sich. Die Mama hat ihr die Unterscheidung zwischen gut und giftig beigebracht. Seither habe sie dieses Interesse immer begleitet und wurde zusätzlich befördert durch Aufenthalte im Schwarzwald wegen einer chronischen Bronchitis. Dabei ging es natürlich unweigerlich in den Tann auf die Jagd nach Pfifferlingen und Steinpilzen. „Ich bin schon immer alleine im Wald unterwegs gewesen, das macht mir keine Angst“, schiebt sie Sicherheitsbedenken beiseite.

Angst hat sie schon lange auch nicht mehr vor Giftpilzen. Das Wissen der Mama hat sie autodidaktisch vervollständigt. Bei Unsicherheiten hilft ihr eines der Standardwerke der deutschen Pilzpäpstin Rose Marie Dähncke. Die „1200 Pilze in Farbfotos“ steht bei ihr im Bücherregal und liefert ausführliche Beschreibungen. Wer dort beim Bestimmen der Pilzart nicht fündig wird, der wird es nirgendwo.

Eines ihrer Hauptprinzipien ist: „Ich picke mir nur das heraus, was ich später verwerten kann.“ Nur wenige der vielen Pilze, die sie entdeckt, kommen ins Körbchen. Die Füße werden von ihr fast liebevoll herausgedreht, keineswegs herausgerissen. Die Wunde im Pilzmyzel bedeckt sie dann sorgfältig wieder mit Laub. Ein Graus ist ihr, wenn sie auf das Werk von Pilzvandalen trifft, die nur zertrümmerte Reste von Pilzen hinterlassen haben, selbst wenn es ein giftige Art wie der schöne Fliegenpilz sein sollte. Denn die Pilze haben eine wichtige biologische Funktion für die Bäume an deren Fuß sie stehen.

Mit leerem Korb kommt Annette Hochadel fast nie nach Hause. Sie sieht selbst dort Pilze, wo andere nur Laub sehen. „Jetzt bist du gerade über einen Goldröhrling gestolpert“, belehrt sie den beschämten Begleiter. Auch dafür hat sei ein Geheimrezept. „Es ist eine Sache der Aufmerksamkeit“, sagt sie, während sie langsam durch das Laub stakst, sehr oft einfach mal stehen bleibt und einen Blick rundum wirft. Vieles verbirgt sich halb oder auch mal ganz unter Laub, das sich dann aber verdächtig aufwölbt und das man nur entdeckt, wenn man stehen bleibt. Neben dem Auge verfügt sie über eine zweite Wunderwaffe. Bei einem plötzlichen Stopp reckt sie die Nase in die Luft: „Hier riecht es nach Steinpilz“.

Annette Hochadel beim Pilzsammeln an der Langen Richtstatt in Wössingen: Nach dem vorsichtigen Rausdrehen wird die Stelle wieder mit Laub bedeckt.

Besonders ausgeprägt mussten diese Sinne im Jahr 2017 nicht gewesen sein, denn 2017 war ein gutes Pilzjahr, bei dem Hinz und Kunz volle Pilzkörbe auf facebook vorzeigte. Die starken Niederschläge am vergangenen Wochenende hätten das Pilzwachstum noch einmal angeschoben und lassen auf ein letztes kräftiges Wachstum hoffen für die ersten Novembertage, prognostiziert die Pilzexpertin, ehe die ersten Nachtfröste der Herrlichkeit ein Ende machen.



Tipps Wer als Pilzsammler einigermaßen erfolgreich sein möchte, der sollte zumindest die wichtigsten und bekanntesten Speisepilze sowie die gefährlichsten Giftpilze (Knollenblätterpilze) kennen. Man kann sich aber auch an Pilzberatungsstellen oder Pilzberater wenden, die man über das Internet ausfindig machen kann. Wer Pilze sammeln braucht nicht viel an Ausrüstung. Am wichtigsten sind ein Korb und ein scharfes Messer. Plastiktüten sollten man nicht nur deshalb nicht verwenden, weil die Pilze zerdrückt und matschig werden. In Plastiktüten zersetzen sich die Eiweißbausteine sehr viel schneller und machen selbst gute Pilze ungenießbar.

Was für ein Oschi – ein großer Schirmpilz

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