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Nicken für Wohnungen

Protestaktion des diakonischen Werks Bretten gegen fehlenden Wohnraum

In Bretten wird heftig wahlgekämpft. In solchen Zeiten reagieren die Kombattanten empfänglicher auf Kritik und Anregungen. Das macht sich die Liga freienn Wohlfahrtsverbände im Landkreis zunutze. AWO, Caritas, DRK, Diakonie und der paritätische Wohlfahrtsverband haben sich zu der Aktion „Nick doch mal“ zusammengeschlossen.

Gestern war dieses Nicken an der Einfallstraße nach Bretten kurz vor dem Kreisel beim Handelshof gefordert. Dort hatten sich fünf Mitarbeiter der Dienststelle des diakonischen Werks strategisch so positioniert, dass die langsam auf den Kreisel zufahrenden Autofahrer gar nicht um hin konnten, als den Text der großflächigen Plakate zur Kenntnis zu nehmen, die sie vor die Windschutzscheiben hielten. Inhalt: „Denken Sie auch, dass jeder ein Dach über dem Kopf braucht?“ oder „Ausreichend bezahlbarer Wohnraum wäre toll“.  

Genau dieses Thema stand im Mittelpunkt der Aktion. Bei der Diakonie habe man festgestellt, so sagte Achim Lechner gegenüber den BNN, dass hohe Mieten schon lange nicht nur HartzIV-Empfänger Probleme bereiteten. „Die Klienten, mit denen wir zu tun haben, sprechen das sehr oft an und das sind oft auch Familien mit niedrigem Einkommen“, fügt Lechner hinzu. Fast die Hälfte des Einkommens auf die Miete verwenden zu müssen bereite auch hier in Bretten sogar Familien mit durchschnittlichem Einkommen Schwierigkeiten. Das sei nicht verwunderlich, wenn die durchschnittlichen Mietpreise mittlerweile bei weit mehr als acht Euro pro Quadratmeter liegen.  

Auf dieses Problem aufmerksam zu machen, wolle man sich anderer als der überkommenen Formen bedienen. Man habe daraus gelernt, dass Podiumsdiskussionen wirkungslos verpufft seien. Mit der Plakataktion hingegen würden mehr Bürger erreicht, ist sich Lechner sicher und die würden dann genauer hinschauen, wen sie wählen. Das mache die kandidierenden Gruppen und Parteien sensibler für das Thema Wohnungsnot.  

Die Reaktionen der Autofahrer scheinen diese Einschätzung zu bestätigen. Anja Jäckle führte über die Zahl der „Nicker“ genau Buch. Weit über hundert Mal habe sie diese Reaktion beobachtet, gefolgt von einem bestätigenden „Daumen hoch“. „Es ist ganz einfach toll, wie positiv die Leute auf die Plakate reagieren“, stellte die Fachbereichsleiterin Sozialpsychiatrie fest.  

Bestätigt fühlen kann sich damit auch Achim Lechner in der Einschätzung, dass „wir als Wohlfahrtsverbände in dieser Gesellschaft dieses Thema bewegen müssen“. In Bretten soll diese Aktion denn auch keine Eintagsfliege. Noch will Achim Lechner nicht allzu viel verraten, aber das Diakonische Werk hat schon ein As im Ärmel. Mit Stefan Murr hat vor kurzem ein Sozialwirt die Arbeit aufgenommen, der als Koordinator für die Aktion „Wohnen für alle“ eingestellt wurde. Er wird sich um dieses Thema kümmern und will mit weiteren Aktion dran bleiben.   

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