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Nicht mit Wattebäuschchen werfen

Einleiter sorgen für schlechte Wasserqualität im Walzbach / Scharfe Maßnahmen gefordert
Einen Gewässerentwicklungsplan hat der Walzbachtaler Gemeinderat beschlossen. Für den darin enthaltenen Maßnahmenplan hat der Gemeinderat die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt. Der Plan wurde von einem Umweltinstitut nach zwei öffentlichen Gewässerschauen erstellt, die 20.04.2016 den Ursprung des Walzbachs bis hin zur Verdolung im Ortsteil Jöhlingen umfasste. Am 19.10.2016 folgte der Erlachgraben und Bach rechts dem neuen Graben.

Dort gibt es viel zu tun. Der Walzbach sei nämlich in einem schlechten Zustand, fasste der mit der Untersuchung beauftragte Diplom Biologe Johannes E. Wolf zusammen. Drei Faktoren seien dafür verantwortlich. Zunächst einmal der geringe Wasserstand, der schon durch den Namen seines Ursprungs symbolisiert werde. „Nomen est Omen“ sei die sogenannte Hungerquelle. Zum zweiten weise er eine schlechte Strukturgüte auf, die nur im Oberlauf eine bessere Einstufung verdiene.

Schließlich habe er drittens eine Gewässergüte von 2 – 3 festgestellt, schlecht für einen so kleinen Bach, wenn man bedenkt, dass selbst der Rhein mittlerweile eine Gewässergüte von 2 habe. Anzustreben sei mindestens 2. Die schlechte Wasserqualität habe er ausschließlich durch die dort lebenden Tiere festgestellt, meinte er auf Nachfrage von Karin Herlan. Der Walzbach beheimate nur sehr tolerante Arten, die mit wenig Sauerstoff und vielen Nährstoffen im Wasser auskommen. Die schlechte Wasserqualität rühre von punktuellen Einleitern. Der aggressive und stickstoffhaltig Kot einer Geflügelzucht im Gewann Schifftal verursache eine regelrechte Schmutzfahne im Bach.

An die Landwirte müsse appelliert werden, die gesetzlich vorgeschriebenen Grünstreifen neben dem Bach einzuhalten. Wenn es gelinge, die ersten fünf Meter von der Bearbeitung frei zu halten, sei er zuversichtlich, dass Gewässergüte 2 erreicht werde. Die meisten Landwirten seien einsichtig, andere jedoch renitent. Dennoch sei der Bach nicht in dem miserablen Zustand, der ihm in den offiziellen Karten zugeschrieben werde.

In Diskussionen mit dem Geflügelzüchter sei man nicht wirklich weitergekommen, berichtete Hauptamtsleiter Steffen Riegsinger, bei dem die Fäden zusammenlaufen. Mit dem Landratsamt sei die zuständige Wasserbehörde informiert. Seither sei aber nicht viel passiert, räumte Riegsinger ein.

Das löste eine scharfe Reaktion von Jutta Belstler aus, die später von Silke Meyer hochgelobt wurde. Jetzt dürfe man „nicht mehr mit Wattebäuschchen werfen“, meinte Belstler. Sie forderte klare Ansagen mit einem geharnischten Brief an die Verursacher. Es könne nicht sein, dass einige wenige die Ursache dieses desolaten Zustandes sind. Die Geflügelzucht müsse vollständig rückgebaut werden. Ebenso indiskutabel empfand sie eine Schmutzwassereinleitung beim FV04.

Die Forderung nach scharfen Maßnahmen wirkt im Nachgang indessen ein wenig skurril. Skurril deshalb, weil etliche der so heftig kritisierten Punkte zum Zeitpunkt der Diskussion schon gar nicht mehr existent waren. Nicht nur dass eine Schmutzfahne in dem trocken gefallenen Bach schon deshalb schon lange nicht mehr entstehen kann, weil im Walzbach seit Monaten kein Wasser mehr zu sehen ist (siehe unseren Artikel „Walzbach tot“ ). Zum anderen ist die dort beheimatete Geflügelzucht ebenfalls schon seit vielen Monaten aufgegeben worden. Dass die Gemeinderäte davon nicht unterrichtet waren und damit gegen Windmühleflügel kämpften, ist aber nicht ihnen anzulasten.

Man werde „interessante Diskussionen mit den Eigentümern führen und ernsthaft mit dem ein oder anderen sprechen müssen“, sicherte Karl-Heinz Burgey zu. Insgesamt sei aber die Zahl der Abschnitte, die die Gemeinde angehen könne, sehr überschaubar. Die Gemeinde müsse sich auf die Abschnitte beschränken, wo man mit vernünftigem Aufwand spürbare Ergebnisse erreichen könne.

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