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„Kein Empörungskonvent“

Sachliche Diskussion beim Heringsessen der VBU Bretten
Es ist ja weit nach Aschermittwoch und damit schon ein bisschen spät, dass VBU und die Stadt Bretten am gestrigen Mittwoch zum 28. Heringsessen in die Aula des Brettener Grüner baten. Ganz ausgeschlafen präsentierten sich aber die Kombattanten auf dem Podium, die den etwa 80 Besuchern ein immer im Ton friedliches aber dennoch mit etwas Reizklima versehenes Gespräch rund um die wichtigsten kommunalpolitischen Themen ablieferten. Veranstalter VBU, so hatte der Vorsitzende Andreas Drabek einleitend erklärt, wollte nämlich nach etlichen mit Vorträgen gewürzten Heringsessens-Vorgängern, endlich wieder einmal zu einem politischen Format zurückkehren. Stoff dafür bot das vergangene Jahr und der Blick in die Zukunft ja reichlich.

Gerhard Meier-Rhön, der das mit den Fraktionsvorsitzenden besetzte Podium moderierte, hatte an der einen oder anderen Stelle doch Mühe das Temperament der Otto Mansdörfer, Renate Knauss, Günter Gauß, Martin Wolff, Gerd Bischoff und Ariane Maas im Zaum zu halten. Nach einer kurzen Spitze an die Adresse des Landtagsabgeordneten Joachim Kößler („Er lässt sich immer ankündigen, kommt aber immer zu spät!“) und dem Appell, das Heringsessen nicht zum „Empörungskonvent“ werden zu lassen, durfte zunächst der OB zum Werbeblock antreten. Viele Projekte insbesondere aus dem Bausektor träten in Bretten deshalb auf der Stelle, weil es bei der gegenwärtigen „Goldgräberstimmung in der Baubranche“ schwer sei, das notwendige Personal für die Arbeit im Brettener Rathaus zu begeistern. „Wenn sie einen Bauingenieur kennen, dann sagen sie dem, dass bei uns Stellen frei sind!“ forderte Martin Wolff – wahrscheinlich vergeblich – die versammelte Wirtschaftskompetenz zum Mittun auf.

Noch sei Bretten nicht nicht schon wieder eine versöhnte Stadt, meinte Meier-Rhön. An disem Abend allerdings werde er versuchen dazu beizutragen, die mittlerweile viel bemühten Gräben wieder zuzuschütten. Der OB mochte davon nichts wissen. Er berichtete im Gegenteil von einem positiven Arbeitsklima bei der Haushaltklausur. Die Gemeinderäte seien „ordentlich miteinander umgegangen“. Auf der menschlichen Ebene wollte das Günter Gauß sofort bestätigen, sah in der Kontrollfunktion des Gemeinderats ein Spannungsfeld. Nicht eingehaltene Absprachen („Da standen wir mit leerer Hose da ohne Vorwarnung“) brächten ihn allerdings auf die Palme.

Otto Mansdörfer berichtete von Schwierigkeiten bei der Abarbeitung genehmigter Anträge, das sei durchaus verbesserungswürdig. Das Vertrauen könnte stärker wachsen, wenn der OB etwas entgegen käme. Ariane Maas war zufrieden, „dass wir Impulse setzen können.“ Als kritischer Geist am Tisch, der immer wieder gegen den Stachel löckt, wollte Gerd Bischoff dem nicht unbedingt zustimmen. Er vermisste den außerparlamentarischen Disput, die „Diskussion über die langfristige Entwicklung unserer Stadt und das nicht nur im Gemeinderat.“ Man müsse sich auf das vom statistischen Landesamt prognostizierte Wachstum vorbereiten.

Thema war selbstverständlich auch das Altenheim der Caritas. Entgegen der landläufigen Meinung habe die Stadt dort nur wenig Einflussmöglichkeiten. Das erzbischöfliche Ordinariat habe entschieden. Das bestätigte auch Otto Mansdörfer: „Das Heim war völlig außerhalb der Reichweite der Stadt!“ Und Günter Gauß legte nach: „Wir mussten schmerzhaft lernen, dass die Caritas Ettlingen eine ausschließlich am Profit orientierte Organisation ist“

Seine schon im Gemeinderat geäußerte Kritik zu den Plänen in der Sporgasse wiederholte Gerd Bischoff. Besonders was die Zahl der Parkplätze während der Bauphase angeht. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Stadt noch lebendig ist, wenn sie in vier, fünf Jahren nur noch Baustellen hat.“ Ariane Maas sah hier auch Probleme und forderte die Verwaltung auf, sich bei der Straßenregelung etwas einfallen zu lassen: „Es wird schwierig, aber es wird noch schwieriger, wenn wir nichts machen.“

Städteplaner Otto Mansdörfer hingegen geriert geradezu ins Schwärmen. Bretten müsse nur durchhalten werde aber einen großartigen, städtebaulichen Entwurf erhalten. „Es wird ganz anders werden als jetzt, und viel besser.“ Bretten müsse sich vom dörflichen Denken auf eine höhere Eben heben. Das machte er an mehreren Beispielen fest. „Für Fleischbrühwürfel setzt man sich ins Auto“, benannte er drastisch eine der Ursachen für die Brettener Verkehrsmisere. Von 50.000 Autofahrten könne man bei einem Verzicht auf ein solches Verhalten 10.000 wegkriegen.

Insgesamt aber sahen die Streiter auf dem Podium ihre Stadt in der Gegenwart positiv und für die Zukunft gut aufgestellt. „Bretten hat eine große Zukunft“, meinte Ariane Maas. Um die war auch Gerhard Meier-Rhön nicht bange und Günter Gauß schließlich sah ein in den letzten 50 Jahren deutlich zum Positiven gewandeltes Bretten.

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