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Karfreitagskreuz

Für Pfarrerin Martina Tomaides eine christliche Grundlage

Am Karfreitag gedenken Christen der Hinrichtung Jesu Christi. Symbol dieses Tages ist das Kreuz. Es ist gleichzeitig theologische Botschaft. Es  kündet von Erlösung und Versöhnung. Diese Bedeutung des Kreuzes ist für Martina Tomaides eine Grundlage ihres Glaubens.

Es ist also alles andere als Zufall, dass mitten auf dem kleinen Besucherschreibtischchen der Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Wössingen ein Kreuz steht. Stählern und klein zwar, aber voller Symbolik für sie wie Tomaides sagt. Es ist ein sogenanntes Auferstehungskreuz. Jesus hat sich schon vom Kreuz gelöst, breitet die Arme aus. Die Hände nicht mehr ans Kreuz genagelt, sondern schon offen, Trost und Verheißung spendend. In einer Predigt hat Tomaides das schon einmal so interpretiert:

„Christus tritt aus dem Tod heraus. Da steckt für mich so viel Hoffnung drin. Jesus, der den Weg weitergeht, der einen Schritt auf uns zu geht. Das, was geschehen ist, bleibt, aber der Weg geht weiter – irgendwie anders – wie genau, weiß ich nicht, aber auf alle Fälle lebendig. Unser Glaube ist auf zweierlei gegründet: auf das Kreuz und die Verinnerlichung dessen, was Jesus auf sich genommen hat und auf die Auferstehung, die wir an Ostern feiern.“

Pfarrerin Martina Tomaides am Altar der Weinbrennerkirche Wössingen.

Trost und Hoffnung spendend für all die Situationen, die das Leben schwer machen und die der Alltag mit sich bringt. All das könne sie vor dem Kreuz ablegen vor Jesu, sagt Martina Tomaides. Und dennoch muss Karfreitag – die Trauer, der Tod, die Verzweiflung – erst mal ausgehalten werden, bevor Ostern gefeiert wird. Dass mit Ostern die Gewissheit wachse, dass uns die Schuld und die Last, die wir mit uns tragen, abgenommen werde.

Die Menschen seien nicht perfekt – nur Gott sei das. „Aber gerade deshalb kam Gott zu uns“, ist sich die Geistliche sicher. Jesus ist dem Schweren im Leben nicht aus dem Weg gegangen. Aber er ist nicht im Tod geblieben, sondern er hat uns durch seinen Tod Hoffnung gegeben mit seinen Worten: „Kommt her, ich will Eure Last mit Euch tragen.“ Das Kreuz beinhalte schon in seiner Form diese Symbolik: Die senkrechte Achse, die zu Gott führe, während die Waagerechte die Verbindung zwischen den Menschen verdeutliche und wie wir mit ihnen umgehen. Eine Verbindung zwischen Himmel und Erde herstellend, bildhaft dargestellt durch diese beiden Achsen.

Das materialisierte Kreuz ist im evangelischen Wössingen ursprünglich nur in der Weinbrennerkirche zu sehen. Erst 2003 wurde es ergänzt durch eines vor der katholischen Kirche. Im katholischen Jöhlingen hingegen hat das Kreuz im Straßenraum eine jahrhundertealte Tradition. Genau 28 Wegkreuze zieren dort die Straßen. Oft ist es so, dass sich Nachbarn aus freien Stücken um ihren Zustand und Kreuzschmuck kümmern. Das gilt insbesondere für das Kreuz „im hinteren Weidental“. 1845 dort platziert wurde es im Zuge der Flurbereinigung an die B293 beim Badischen Hof versetzt.

Dort fällt es vorbeifahrenden Autofahrern durch seinen immer wieder erneuerten Blumenschmuck an Jesu Fuß auf. Ohne jegliche Verpflichtung hat sich dieser Aufgabe schon seit vielen Jahren der Nachbar Alfons Fabry und seine Frau Veronika angenommen. Für Alfons Fabry ist das keine große Sache, sondern eine Selbstverständlichkeit. „Das mache ich jeden Tag mit, wenn ich meine eigenen Blumen gieße“, sagt er. Schon von Kindesbeinen dort wohnend erinnert er sich noch gut daran, dass das Kreuz mitten auf der Kreuzung stand und an seinem Fuß eine Viehtränke war. Genau diese Erinnerungen sind es, die ihn – ganz jenseits jeglicher religiöser Überlegungen – zu diesem liebevollen Umgang mit dem persönlichen „Hauskreuz“ veranlassen.

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