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Interessenkollisionen im Forum diskutieren

Zwei Studenten machen Vorschläge für ein Mobilitätskonzept für Walzbachtal

Proteste der Wössinger Eltern gegen die Erhöhung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit am Wössinger Ortseingang, Proteste gegen die Umgehungslösungen für die gesperrte Weingartener L559 – „Verkehr hat uns in den letzten Jahren immer wieder mal beschäftigt“, blickte Bürgermeister Karl-Heinz Burgey auf ein vielfältiges Aufregerthema schon bei seiner Einleitung zur jüngsten Walzbachtaler Gemeinderatssitzung.

Auf der Tagesordnung stand nämlich ein „nachhaltiges Mobilitätskonzept für Walzbachtal“.

Ein Konzept, das zwei Studenten der Hochschule Karlsruhe im Studiengang Verkehrssystemmanagement entworfen hatten. Unter Anleitung von Prof. Christoph Hupfer untersuchten sie die beiden Ortsteile auf Defizite bei Rad- und Fußwegen. Das Ergebnis stellten sie jetzt dem Wössinger Gemeinderat vor.

Karl-Heinz Burgey empfand die Vorschläge als einen Beitrag zur Versachlichung in der Verkehrsdiskussion. Vorteilhaft sei, dass bei der Grundsatzstudie für den Ort „Leute dran waren, die von außen kommen, bisher nicht damit beschäftigt waren und deshalb unbefangen dran gehen konnten. Felix Weiss und Lukas Koller hatten ein Nutz- und Handlungskonzept für den Rad- und Fußverkehr in beiden Ortsteile entwickelt. In Wössingen griffen sie sofort einen Brennpunkt auf, der den Gemeinderat schon seit vielen Jahren beschäftigt und den Eltern der Wössinger Grundschüler erst in jüngster Vergangenheit Sorgenfalten auf die Stirn trieb. An der Kreuzung von Bruch-, Bruchsaler und Wössinger Straße machten sie mehrere Unsicherheitsfaktoren aus. An dem sehr unsicheren Querungspunkt für Fußgänger bringe ein großflächiges Hinweisschild zusätzliche Unsicherheit, was im Gemeinderat in der Vergangenheit schon moniert worden war.

Per Luftbild stellten sie zwei Lösungsmöglichkeiten vor: Eine umgestaltete Kreuzung und zum anderen einen Kreisel. Gerade dieser Vorschlag stieß bei FDP-Mann Werner Schön in der sich anschließenden Diskussion auf große Zustimmung, fordert er doch genau das schon seit vielen Jahren. Karl-Heinz Burgey machte darauf aufmerksam, „dass  man bei einem Kreisel um sehr viel Geld reden wird“.

Das Ganze habe hohe Relevanz wegen der Nähe zur Grundschule, betonten die Studenten. Das Sicherheitsproblem erstrecke sich andererseits auf fast die gesamte Länge der Wössinger Straße. Das Gehwegparken im Bereich der Grundschule sollte deshalb zumindest einseitig verboten werden. Lukas Koller ahnte aber schon, „dass das bei den Anliegern schlecht ankommen wird, wenn man ihnen die Abstellmöglichkeiten wegnimmt.“ Auf der gesamten Länge der Wössinger Straße empfahlen sie einseitige Schutzstreifen für Radfahrer.

Den gleichen Schutzstreifen empfahlen die Studenten auch für die zentrale Jöhlinger Achse. Auf der Nordseite der Jöhlinger Straße solle er etwa 1,50 Meter breit sein. Ähnliche Sicherheits-Lücken wie in Wössingen hofften sie damit auch in Jöhlingen angehen zu können. Auch hier könne viel verbessert werden. Als stark verbesserungswürdig empfanden sie die Radabstellanlagen an der Stadtbahnhaltestelle West. Nicht überdacht, werden sie kaum angenommen, was sie mit Fotos unter Beweis stellten und gleichzeitig empfahlen, Anlehnbügel für die Räder anzubringen.

Ihr Mentor Christoph Hupfer beschrieb die Möglichkeit zur Umsetzung der Vorschläge. Wichtig sei es, dass an so einem Konzept nicht unbedingt auswärtige Experten weiter arbeiteten. In einem Forum solle man allen Bürgern die Gelegenheit geben, zu definieren, „wo etwas kneift“, was man anders machen wolle und wie Walzbachtal in 15 Jahren aussehen soll. Die Ergebnisse eines solchen workshops könnten Grundlage für die Entscheidungen des Gemeinderats sein. In einem „Real-Labor“, wie er es nannte, könnten Details provisorisch zum Ausprobieren eingerichtet werden.

Ein Begriff den Birgit Schwegle gerne aufgriff. Von den Ergebnissen des Walzbachtaler Real-Labors könne der gesamte Landkreis lernen, meinte die Leiterin der Energieagentur des Landkreises, die den Kontakt zwischen Hochschule und Gemeinde hergestellt hatte. Sie wies darauf hin, dass man das Forum „im Energey-Management finanziell abbilden“ könne.

Das Konzept solle in den nächsten Wochen in eine fachliche Diskussion münden, schlug Karl-Heinz Burgey vor. Das sei umso notwendiger, als die Gemeinde wegen massiver Interessenkollisionen bei dem Thema nicht vorangekommen sei, obwohl viel Zeit dafür verwendet worden sei. Für die offene Runde, in die sich alle einbringen können, begeisterten sich auch die Gemeinderäte. Ein Konzept, „mit dem sie bei uns offene Türen einrennen“, meinte nicht nur Jutta Belstler (CDU), sondern auch Silke Meyer (SPD). Belstler plädierte übereinstimmend mit Werner Schön dafür, die Verkehrsbehörden einzubinden, denn die könnten ein theoretisch ausgearbeitetes Konzept mit einem Kopfschütteln zu Fall bringen. Nach so viel Zustimmung war die einstimmige Akzeptanz eines solchen Forums selbstverständlich.

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