Header

In Verantwortung für den Lebensraum

Die Gemeinde Walzbachtal hat 2010 begonnen, ihre kommunalen Grünflächen kontinuierlich zu verbessern. Was anfangs nur optisches Signal ein sollte, hat sich mittlerweile zu einem veritablen Umweltprojekt entpuppt, das mit mehreren Auszeichnungen sogar landesweit Anerkennung findet. Nicht mehr nur um die Optik nämlich geht es, so erläutert der für das Projekt verantwortliche Bauhofchef Bernd Scholer, sondern um die Verantwortung für die Gestaltung unsers Lebensraums. Besonders um die Verantwortung für die Wildbienen, denn die wären – so zitiert Bürgermeister Karl-Heinz Burgey die Wissenschaft – ohne Gegenmaßnahmen in zehn Jahren ausgestorben.

20170822 Walzbachtal Wildbienen 013_ a a Die anfängliche Blumenmischung – nur schön, aber ohne Nährwert für die Bienen – wurde also gegen zertifiziertes Wildsaatgut ausgetauscht, das Nahrungsgrundlage selbst für hochspezialisierte Arten mit sich bringt. Statt Cottoneaster zeigen sich seither in den kommunalen Grünflächen diese Blumenflächen oder auch pflegeleichte Staudenbeete, die allerdings genau jene Wirtspflanzen beheimaten, die diverse Wildbienen brauchen. Dass dieses Konzept von Erfolg gekrönt ist, ist nicht nur Gefühlssache. Es wird nämlich wissenschaftlich begleitet und untermauert. Mare Haider, Biologin am Institut für Landschaftsökologie Bühl, hat auf den Blühflächen vor dem Bauhof und in den daneben gelegenen Mönchswiesen genau beobachtet und gezählt.

Die Bestandserfassung hat einige Überraschungen ergeben. Es wurden mehrere Spezies entdeckt, die als vom Aussterben bedrohte Arten in der Roten Liste Baden‐Württembergs aufgeführt werden. Unter anderem die Weißfleckige Wollbiene, die Metallische Keulhornbiene und die Schöterich‐Mauerbiene. Insgesamt wurde eine außergewöhnlich hohe Besatzdichte festgestellt. Vor allem allgemein noch verbreitete Arten wie Erdhummel oder gelbbindige Furchbiene konnten in sehr hoher Anzahl angetroffen werden, auch Tagfalter. Bisher wurden insgesamt 46 Wildbienenarten auf den zwei Probeflächen nachgewiesen.

Brummendes Leben auf der Blumenwiese vor dem Bauhof

Brummendes Leben auf der Blumenwiese vor dem Bauhof

Schlüssel für die Maßnahmen sei die Sachkompetenz. Davon gibt es in Walzbachtal reichlich. Bauhofchef Scholer hat große Unterstützung durch den Leiter der Grüngruppe im Bauhof Michael Menninger und dessen Team. Das Konzept soll sich nicht nur auf die Wildbienen beschränken, denn „was für die Wildbienen gut ist, das ist auch für die normale Biene gut“, weiß Bernd Scholer. Viele kleine, bunte Trittsteine wolle man im Dorf schaffen und damit einen vernetzten Lebensraum. Es sei indes nicht damit getan, dass man sich ein Bienenhotel in den Garten stelle, ergänzt der Bürgermeister, der das Vorhaben mit der gleichen Begeisterung wie sein Bauhofchef vorantreibt. Die Gemeinde habe die Verantwortung, beispielhaft voran zu gehen und zu zeigen: Es geht, es funktioniert. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Bevölkerung das versteht“, sagt Karl-Heinz Burgey und bittet gleichzeitig zum Verständnis dafür, wenn in den Übergangsphasen die ein oder andere Fläche optisch nicht so schön aussehe: „Das müssen wir aushalten“.

Es handele sich nämlich um einen langfristigen Prozess „für den man einen langen Atem braucht“ und der noch lange nicht abgeschlossen sei. Er beinhalte die drei zentralen Elemente kommunale Flächen, Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft und die Einbeziehung der Haus und Gartenbesitzer. Der Bürgermeister hofft, dass von letzteren zehn Prozent mitmachen und auf Verständnis für weitere ins Auge gefasste Projekte wie etwa die naturnahe Umgestaltung des alten Jöhlinger Friedhofs.

Trackback von deiner Website.

Kommentieren

Home Footer Links