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Hilfe zur Selbsthilfe

Hannelore Beran sucht Polio-Betroffene als Mitstreiter
Es ist ein Tag, den Hannelore Beran nie vergessen wird, obwohl sie an diesem Tag erst vier Jahre alt war. Am Fenster ihrer elterlichen Wohnung in Stuttgart stehend brach sie 1952 plötzlich zusammen. Ihre Erinnerung setzte erst wieder in einem Isolierzimmer in Krankenhaus ein. Dort blieb sie neun Monate. Diagnose der Ärzte: Kinderlähmung oder medizinisch: Poliomyelitis, oft auch kurz Polio genannt.

Mühsam lernte die heute in Jöhlingen Lebende wieder das Laufen und alle anderen normalen Bewegungsabläufe. Es folgten über viele Jahre Reha-Aufenthalte und Physiotherapien. Eingewiesen von sogenannten „Krüppelfürsorgeärzten“. Ein Begriff, der an finsterste Zeiten erinnert und über den sie sich noch heute entsetzt. Doch fast alles wurde trotzdem wieder gut. Nur eine Teillähmung im rechten Bein blieb, mit der sie 60 Jahre lang gut leben konnte.

Seit einigen Jahren bemerkt sie jedoch: Die Krankheit kehrt zurück. Mit zunehmendem Alter vermehren sich bei ihr die Symptome des sogenannten Post-Polio-Syndroms. Zu dessen Beschwerden gehören Muskelschwäche, Atemnot und Erschöpfung. Symptome, die auch Hannelore Beran spürt. Schon der Gang zu der nur wenige Meter entfernten Stadtbahnhaltestelle wird zum beschwerlichen Abenteuer.

Hannelore Beran will eine Poliogruppe in Walzbachtal gründen.

Das lässt die Betroffene nicht mehr ruhen. Sie sucht nach Informationen, die ihr bei der Bewältigung der Krankheit helfen können. Und sie sucht den Kontakt zu Leidensgenossen. Der Austausch mit Betroffenen ist ihr sehr wichtig. Deshalb will Hannelore Beran eine Selbsthilfegruppe im Raum Karlsruhe/Bretten gründen. Sie will die einzelnen Betroffenen, die sich nur selten untereinander kennen, in ihrer Selbsthilfegruppe zusammenführen zum Informationsaustausch mit Leidensgenossen und Ärzten über diese heimtückische Infektionskrankheit. Als eine ihrer wichtigsten Aufgaben begreift sie, über die Impfungen aufzuklären, um der immer mehr um sich greifenden Impfmüdigkeit in der Bevölkerung entgegenzuwirken.

Keinen geeigneteren Zeitpunkt zu einem Aufruf dazu gibt es als den Samstag, 28. Oktober. Es ist der Welt-Poliotag, der jährlich am 28. Oktober begangen wird. Wer sich an ihrer Selbsthilfegruppe beteiligen will, der kann Kontakt aufnehmen unter der email-Adresse poliogruppe75045(at)email.de oder unter der Telefonnummer 07203 – 922368. Genügend Ansprechpartner dürften vorhanden sein. Nach Angaben des Bundesverbandes Poliomyelitis leben in Deutschland noch rund 60 000 Menschen, die in jungen Jahren die Krankheit vor der Impfaktion durchmachten. Außerdem: Europa ist zwar seit 2002 poliofrei, doch die Krankheit ist weltweit längst nicht ausgerottet. Durch Reisetätigkeit nach Afghanistan, Syrien und Nigeria kann das Virus jederzeit wieder nach Deutschland eingeschleppt werden.

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