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Gottesdienst mal anders …

… konnten die Besucher am Sonntagmorgen in der Stiftskirche erleben. Zum Abschluss des Reformationsjubiläums zeigt die evangelische Kirchengemeinde Bretten eine Ausstellung mit Werken des Gondelsheimer Künstlers Karl Vollmer. Diese wurde gestern Vormittag im Anschluss an den darauf einstimmenden Gottesdienst mit einer Vernissage eröffnet. So saß man bei der Predigt nicht neben dem Nachbarn oder dem Apotheker, sondern hatte namhafte Persönlichkeiten aus der Reformationszeit als Nebensitzer. Martin Luther, Philipp Melanchthon, Jakob Fugger, Kaiser Maximilian der Erste oder Friedrich der Weise waren einige der von Vollmer sehr originell mitten in der Gemeinde platzierten Reformatoren, um in einen „Dialog auf Augenhöhe“ zu treten. Diesen Namen hat der Künstler seiner Ausstellung gegeben.

Pfarrer Dietrich Becker hielt nur eine kurze Predigt und ließ dafür Raum für Kommunikation. Ursula Fleischer ging voller Anerkennung in einen Dialog mit Katharina von Bora, Ulrich Offermann inszenierte spritzig und unterhaltsam eine Konversation mit Martin Luther selbst, Dietrich Becker wählte „Workoholic und Wunderkind der Sprachen“ Philipp Melanchthon als Gesprächspartner und Nora Reuss sprach der recht unbekannten, bürgerlichen Katharina Zell für ihr geradezu revolutionäres Engagement vor 500 Jahren ihre Bewunderung aus. Musikalisch begleitet wurden Gottesdient und Vernissage von dem Christoph Georgii Trio, das mit großartig neu inszenierten Melodien aus der Reformationszeit auf Piano, Bass und Schlagzeug unter die Haut ging. Die Besucher zeigten ihre Begeisterung mit langem Applaus.

Dekanin Gabriele Mannich trat bei der anschließenden Vernissage dann in den Dialog mit Karl Vollmer und fragte unter anderem, wie er denn auf diese herrliche, verrückte Idee gekommen sei, seine Werke mitten auf den Stühlen zu verteilen. Vollmer erzählte, dass er es schön fände, dass die Reformatoren bereits auf die Gäste warteten, anstatt von Stellwänden herunterzublicken. „Außerdem muss man sonst auch öfter neben jemandem sitzen, der einem nicht passt“, fügte er lachend hinzu. Die Frage, warum er eigentlich ausschließlich Köpfe zeichnet, beantwortete er humorvoll so: „Das obere Ende des Körpers ist für mich nun mal das Beste – das Teil, das uns am meisten voneinander unterscheidet. Und deshalb male ich am liebsten Köpfe und nicht die großen Zehen.“ Vollmer spiegelt in seinen Portraits gerne Emotionen im Gesicht wider. „Ich hole den Bauch quasi somit nach oben“, schmunzelt er. Über seine Werke sagt er weiter: „Meine Zeichnungen sind nicht immer eindeutig. Vieles im Leben ist mindestens zweideutig. Deshalb sind sie manchmal zart und manchmal ruppig, so wie das Leben selbst eben ist!“ Barbara Mertens-Löffler aus Walzbachtal findet die Ausstellung spannend und interessant. „Karl Vollmer ist für mich ein begnadeter Zeichner. Ich finde es toll, dass sich die Kirche für Künstler wie ihn öffnet!“

Zu sehen sind die Werke in der Stiftskirche noch bis zum 5. November jeweils samstags und sonntags von 11-17 Uhr.

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