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Gesundheitsgefährdung Lärm

Aktionsplan für die Jöhlinger Straße verabschiedet
Einen Lärmaktionsplan hat der Walzbachtaler Gemeinderat beschlossen. Langfristig soll die Jöhlinger Straße vom Anschluss an die B293 bis zum Kirchplatz in eine Tempo-30-Zone verwandelt werden. Sie schließt sich damit der B293 an, wo seit einigen Jahren schon Tempo 30 gilt. So lautet das Hauptelement des von der Firma Modus Consult erarbeiteten Plans. Gesundheitsgefährdung hat der Gutachter im Bereich zwischen Kirchplatz und Sparkasse festgestellt

Insbesondere entlang der Verkehrsachsen B293 und L559 in Jöhlingen gebe es etliche Stellen, wo Gesundheitsgefährdung durch Verkehrslärm entstehen kann. Eine Überschreitung der kritischen Werte von 70 Dezibel tagsüber und 60 Dezibel nachts sei in vielen Bereichen feststellbar. Das ist das Resümee eines Lärmaktionsplans, das die Firma Modus Consult für die Gemeinde erstellte. Dieses Ergebnis beruhe nicht auf Lärmmessungen, sondern resultiere aus Berechnungen aus den 2012 erhobenen Verkehrsströmen, informierte Martin Reichert auf Nachfrage von Karin Herlan (SPD).

Bei einer Belastung von 9000 Fahrzeugen pro Tag entstünden insbesondere auf der Landesstraße durch Jöhlingen sogenannte „Hotspots“ mit deutlich über 70 Dezibel, da der Lärm zwischen der engen Wohnbebauung sich nicht ausbreiten könne und verstärke. In Wössingen hingegen sei die Situation keineswegs so dramatisch.

Als ein Schwerpunkt der Belastung bezeichnete Reichert eine kurze Strecke zwischen der Einmündung der Kreuzstraße und dem Rößlegarten. Zwischen den Hausnummern 77 (Einmündung Brunnenstraße) und 87 sei eindeutig eine Überschreitungen des einschlägigen Richtwertes feststellbar. Nachts erweitere sich das auf die Hausnummern 69 bis 87. Ei Tempo 30 auf diesem Streckenabschnitt könne man den Lärm tagsüber um 70 Prozent reduzieren, meine Reichert. Mehr lasse sich erst durch den Bau der Umgehungsstraße erreichen.

Insgesamt seien im Rahmen der Beteiligung nur sieben Stellungnahmen aus Jöhlingen eingegangen. Sehr stark hätten sich die Bewohner im Bereich des Penny gemeldet. Sie forderten fast durchgehend die Versetzung des Ortsausgangsschildes an die Einmündung der Weingartener Straße in die L559. Dadurch würden sie nicht mehr durch den Beschleunigungslärm nach dem Ortsausgangsschild belästigt. Sowohl der Bürgermeister als auch Reichert wiesen diese Forderung als verkehrsrechtlich nicht umsetzbar zurück.

Weniger problematisch waren die Stellungnahmen der Behörden, aus denen die der Karlsruher Verkehrsbetriebe herausragte. Für die Verkehrsbetriebe ist Tempo 30 ein nur „scheinbares Allheilmittel für eine Lärmminderung“. Eine Frechheit, die man sich besser verkniffen hätte, sei diese Stellungnahme gab Reichert deftig zurück

Silke Meyer unterstützte die Vorschläge des Ingenieurbüros. Tempo 30 zwischen B293 und Kirchplatz war der SPD-Fraktionsvorsitzenden allerdings noch nicht genug. Viele Autofahrer würden sich nicht an die Geschwindigkeitsbeschränkung halten, prognostizierte sie. Tempo 30 müsse durch kleine bauliche Maßnahmen verstärkt werden, um schnell eine Besserung zu erzielen.

Einzig Jutta Belstler (CDU) wollte sich Tempo 30 nicht anschließen. Sie sah die Autofahrer gebremst in ihrem beruflich veranlassten Stress, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Es sei nicht fair, die große Aufgabe der Lärmminderung den Kommunen aufzuhalsen. Der Gesetzgeber solle vielmehr Druck auf die Automobilindustrie ausüben, lärmarme Motoren zu entwickeln.

Der Bürgermeister bezeichnete das Vorhaben als eine langfristige Aufgabe, die man schrittweise umzusetzen suche. Auf dem Weg dahin habe man schon etliche Fußgängerquerungen in Jöhlingen erhalten. Man dürfe sich nicht durch erste Ablehnungen von Vorschlägen abschrecken lassen und weiter an dem dicken Brett bohren.

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Kommentare (6)

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    Kraichgauer

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    Als Antwort auf: Gesundheitsgefährdung Lärm
    Als teuer honorierter „Experte“ lässt man sich halt nicht gern von den Karlsruher Verkehrsbetrieben in die Suppe spucken. So eine Frechheit, die lukrative Tempo-30-Euphorie nicht zu hypen. Hätte er statt seiner giftigen Replik lieber seriös mit Messergebnissen unterlegt vorgerechnet, wie er zu dieser vollmundigen Hoffnungserweckung bei den lärmgeplagten Anwohnern kommt. Die erwarten nämlich bei solchen Zahlen, dass sich das, was sie „an Lärm hören“, tatsächlich um 70%, also auf weniger als ein Drittel „Lautheit“ reduzieren würde!
    Dem ist jedoch bei Weitem nicht so. Selbst der Grüne Umweltminister Herrmann erklärt: „Mit einer Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h kann die Lärmemission in Abhängigkeit vom Lkw-Anteil um 2,3 bis 2,7 dB(A) verringert werden.“
    (https://vm.baden-wuerttemberg.de/de/mensch-umwelt/laermschutz/laermquellen/strassenlaerm/)
    Zum Vergleich: +/- 1 dB(A) Unterschied kann man beim konzentrierten, direkten hin und her Vergleich gerade noch wahrnehmen. Auch die Rechtsprechung erkennt Lärmminderung erst ab – 3 dB(A), im Alltag bemerkt man darunter praktisch überhaupt nichts.
    Allerdings warnt das Ministerium: „Eine Absenkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf städtischen Hauptverkehrsstraßen innerorts von Tempo 50 km/h auf Tempo 30 km/h – ohne zugleich einen verbesserten Verkehrsfluss zu erzielen – kann allerdings zu einer Zunahme der Emissionen der Luftschadstoffe Stickstoffoxide und Feinstaub führen.“ Etliche Fußgängerquerungen mit Bedarfsampeln sind da schon mal kontraproduktiv. Ansonsten, einfach mal mit dem Rewe-Bus bachabwärts fahren und an der B3 die „70% Lärmreduzierung“ tagsüber genießen … 🙂

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    Thomas

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    Als Antwort auf: Gesundheitsgefährdung Lärm
    Tempo 30 bis zur Ampel Jöhlinger Strasse / Grombacher Str. wäre sicher angebracht. die Anwohner werden es danken.

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    Thomas Wachter

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    Als Antwort auf: Gesundheitsgefährdung Lärm
    Nach diesem Satz „Bei Tempo 30 auf diesem Streckenabschnitt könne man den Lärm tagsüber um 70 Prozent reduzieren, meine Reichert.“ musste ich auch erst mal schnunzeln. ABER.. Wenn Herr Reichert sein Auto NICHT benutzt, NICHTS redet und keine Schuhe nutzt, könnte er die 70% weniger Lärm für sich erreichen. Es ist doch einfach interessant wie sich manche Leute mit dem Thema Tempo 30 beschäftigen und sich nicht mal darüber ausreichend informieren.

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    Lars

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    Als Antwort auf: Gesundheitsgefährdung Lärm
    Ich glaube ebenfalls nicht an den gewünschten Erfolg, aber die 20 Sekunden, die man bei Tempo 30 auf dem Stück verliert, sind es nicht wert, weitere Worte zu verlieren. Ausser dass sich die Gemeinde zum wiederholten Male zur Entscheidungsfindung Gutachten und Untersuchungen bedient, deren Richtigkeit zumindest bezweifelt werden können. Zusätzlich dazu wird nur auf den Verkehrslärm abgestellt. Andere Lärmquellen bleiben unberücksichtigt in der Betrachtung, wie man eine allg. Lärmreduktion erreichen kann.
    Meine Auffassung nach sollten hier alle Lärmemittoren auf den Prüfstand, Grundlage das BImSch-Gesetz und die dort festgelegten Grenzwerte. Ganz schnell würde sich herausstellen, dass so manche althergebrachten Einrichtungen dagegen viertelstündlich verstossen.

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    Jöhlinger

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    Als Antwort auf: Gesundheitsgefährdung Lärm
    Hätte man das Gageneck damals zum zukünftigen Industriegebiet auserkoren, anstatt das vorhandene, noch relativ kleine „Industriegebiet Grund“ weiter auszubauen, wäre das Verkehrsaufkommen innerorts geringer. Ebenso der Lärm, der durch den Industrieverkehr deutlich verstärkt wird, wäre erträglicher, denn man hätte einen Industiregebietzugang geschaffen, der außerhalb der Ortschaft liegt. Seinerzeit bedeutete dies aber für einige Gemeinderäte einen Interessenkonflikt. Die Konsequenzen tragen die heutigen und zukünftigen Anwohner.

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    Emmelmann

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    Als Antwort auf: Gesundheitsgefährdung Lärm
    Wieviel Geld gibt man unnütz aus… Ein großer Faktor wäre die Straßen in gutem Zustand zu halten. Dies ist schonmal weniger Lärm. Und ich finde es grundsätzlich nicht angebracht, daß sich evtl. Anwohner in solchen Situationen beschweren, die erst dort gekauft oder gebaut haben. Diese haben deshalb ihren Kaufpreis bekommen, weil die Situation so ist. Dafür müssen andere nicht aufkommen. Außerdem haben sich Lärmquellen in den letzten 20 Jahren extrem reduziert, alleine schon durch Autohersteller und Reifen. Man kann überall Tempo 30 machen, nur ändert dies leider kaum was an der Wahrnehmung. Denn die Menschen werden sich immer egal wie hoch Grenzwerte sind gestört fühlen…
    Sehr schade, daß so etwas von der Gemeinde mitgespielt wird und auch noch sehr viel Geld verpulvert wird.

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