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Geht! oder nicht?

Bechtold plädiert für Mauertalöffnung und finanzielle Beteiligung dreier Gemeinden an den Kosten
Bürgerversammlung Walzbachtal am 4. Juli in der Jöhlinger Jahnhalle, zwei Tage nach dem offiziellen Beginn der Sperrung der Weingartener Straße. Auf tritt ein Bürger und bittet die Walzbachtaler, Einzelhandel und Betriebe in dem kleinen Gewerbegebiet „Auf der Hoffmanns Seite“ am westlichen Jöhlinger Ortsrand trotz der Sperrung weiter zu besuchen und zu unterstützen. Penny, dm, Getränkemarkt, Weingut wären sonst in ihrer Existenz gefährdet.

Inzwischen steht fest: die Besorgnisse waren berechtigt, wenn sie auch nicht in dem befürchteten Ausmaß eintraten. Umsatzeinbußen melden dort fast alle Betriebe. Das Weingut Schäfer, ehedem in der Jöhlinger Straße in Weingarten beheimatet, ist davon nicht ausgenommen. Thomas Schäfer empfindet die Sperrung als große Belastung, weil Kunden aus dem Westen nur mehr schwer den Weg zu ihm finden. Der Seniorchef ist dennoch nicht begeistert von der Idee, die Feldwege als Umleitungsstrecke freizugeben. Das habe bisher schon immer wieder im Begegnungsverkehr mit den großen landwirtschaftlichen Fahrzeugen zu Spannungen geführt.

Nachbar Gerd Wagner sieht das völlig anders. Er plädiert für die völlige Öffnung des Mauertals. Mehrere hundert Kunden aus Weingarten und Stutensee seien von ihm abgeschnitten. Die Umsatzeinbuße beziffert mit rund 20 Prozent. Er selbst habe sich auf der Suche nach einer Lösung sowohl mit Erik Bänziger wie auch mit Karl-Heinz Burgey in Verbindung gesetzt. Während der Weingartener Bürgermeister eher hinhaltend reagiert habe, sei er beim Walzbachtaler Bürgermeister auf großes Verständnis gestoßen.

Weniger betroffen zeigt sich Diana Küntzle. Die Backhaus-Chefin im Sallenbusch sieht eine Beeinträchtigung nur tagsüber. Abends laufe das Geschäft nach wie vor wie zu normalen Zeiten. Das Tagesgeschäft hingegen leide. Unzureichend findet sie die Beschilderung. An der entscheidenden Stelle fehle ein Hinweis, dass ihr Backhaus ohne jegliche Einschränkung erreichbar sei.

In der Walzbachtaler Gemeindeverwaltung scheint man sich derweil Gedanken zu machen, wie man den gordischen Knoten durchhauen könnte. Während einer Gemeinderatssitzung sparte der Bürgermeister nicht mit Kritik an seinem Amtskollegen und bezeichnete die lange Sperrung als „nur schwer nachvollziehbar und nicht plausibel dargelegt.“ Burgey bestätigte, dass „die Gemeindeverwaltung die örtlichen Betriebe zu den Folgewirkungen der Straßensperrung L 559 befragen wird“. Vorgesehen ist ein Zeitraum Ende Oktober – Anfang November, damit auch entsprechende belastbare Erfahrungswerte vorliegen. Ansonsten aber wolle er abwarten, was das für den kommenden Montag terminierte Gespräch im Landratsamt ergeben wird.

Darauf setzt auch Bernd Bechtold. Der in Jöhlingen wohnende und als Investor im Jöhlinger Gewerbegebiet „Hofmanns Seite“ aktive, ehemalige IHK-Präsident empfindet es als „völlig inakzeptabel, dass eine Hauptverbindung der Region drei Jahren nicht genutzt werden kann und nichts unternommen wird, um den Menschen eine Alternative anzubieten“. Die Gastronomie leide. Das gesamte Weingartener Oberdorf falle als Kunden für den Jöhlinger Westen weg. Mehr als 8000 Menschen auf eine täglich bis zu 20 Kilometer lange Ausweichstrecke zu zwingen, erzeuge nicht nur eine große zeitliche und wirtschaftliche Belastung der Betroffenen, sondern verursache auch einen immensen zusätzlichen Kohlendioxidausstoß. Die Verantwortlichen seien in der Pflicht, endlich etwas zu tun.

Was zu tun ist, ist für Bechtold eindeutig: Die Öffnung der Mauertaltrasse sei „eine hervorragende Möglichkeit, den Verkehr aufzunehmen“. Sie sei entgegen allen Bedenken breit genug sogar für Begegnungsverkehr, sofern man es einigermaßen langsam mit dem Auto angehen lasse. Das habe er selbst ausprobiert. Die Strecke müsse überdies keineswegs nach dem Mauertal über den kurvenreichen Weg am Bittberg führen, sondern in der geraden Verlängerung der Mauertaltrasse bis zum asphaltierten Weg, der von der Wüste zum Jöhlinger Naturfreundehaus führt. Die Ausbaukosten dieser kurzen Strecke müssten von den drei betroffenen Gemeinden Pfinztal, Walzbachtal Weingarten geteilt werden.

Bernd Bechtold macht darüber hinaus eine Rechnung auf, an die bisher noch niemand – zumindest öffentlich nicht – nachgedacht hat. Er addiert die Kosten, die den „Umwegfahrern“ entstehen und kommt dabei auf immense Summen. Bei 8000 Autofahrern komme dabei jährlich eine Summe von 2,4 Millionen Euro zusammen, die sie als Extra für die Umleitung zu berappen hätten. Berchtold rechnet dann noch weiter. Der CO2-Ausstoß sei nicht minder beträchtlich. Den schätzt er auf 8000 Tonnen.

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Kommentare (1)

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    Lars

    |

    Als Antwort auf: Geht! oder nicht?
    „Bernd Bechtold macht darüber hinaus eine Rechnung auf…“

    Endlich beziffert jemand einmal, ob nun vollkommen korrekt oder nur in „Hausnummern“ den volkswirtschaftlichen Schaden und den Schaden für die Umwelt, die diese verantwortungslose 3!-jährige Sperrung verursacht. Allzuoft werden Straßenbaumaßnahmen aus Kostengründen nicht in der Zeit ausgeführt, in der es minimal möglich wäre. Sehr oft wird langsamer gebaut, weil Beschleunigungsmaßnahmen auch ein wenig Geld kosten. Aber das zahlt dann ja nicht der Staat, sondern jeder einzelne von uns.

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