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Früh arbeiten

Keine Rezepte gegen Hitze auf der Baustelle
Die diesjährige Hitzewelle strebt mit dem Donnerstag eionem letzten Höhepunkt entgegen. Wer bei solchen Temperaturen die Füße nicht ins kalte Wasser stecken kann, sondern im Gegenteil auf einer der Baustellen in der Region sogar körperlich ranklotzen muss, der ist übel dran. Viele Rückzugsmöglichkeiten und Techniken der Bewältigung gibt es nicht.

Für Sven Brommann, Bauleiter bei der bauausführenden Firma für die Erschließungsarbeiten im Wössinger Gewerbegebiet „Hafnersgrund“, heißt das Rezept: früher anfangen, früher aufhören. Im „Hafnersgrund“ beginnt bei den derzeitigen Temperaturen die Arbeit bereits um 6 Uhr morgens, Feierabend wird schon um 15 Uhr gemacht. Ein Arbeitsbeginn mit Lärmbelästigung, der allerdings nur hier weitab von der Wohnbebauung möglich ist.

Der Schichtleiter nennt das zweite Rezept. Wasser trinken. Bis zu fünf und sechs Flaschen konsumiert er pro Tag. Schatten? Ja, gern, aber wo bitteschön? Den Strohhut, den sein Chef empfiehlt, hat er ebensowenig auf dem Kopf wie die empfohlene Sonnencreme auf der Haurt. „Geht alles so!“, lacht er braungebrannt.

Für Ahmet Altunday und Destan Sabedin ist die Hitze ebenfalls kein großes Problem. Zu Hause in der Türkei und Mazedonien sei man die 37 Grad im Schatten gewöhnt. Aber trinken nehmen sie genauso ernst. Auch bei ihnen rinnen die fünf Liter am Tag die Kehle hinunter, um den Flüssigkeitsverlust beim schweren Verlegen der Verbundsteine für den Gehweg des Gewerbegebiets auszugleichen.

Ahmet Altuntay und Destan Sabedin (gelbe Hose) beim Verlegen von Verbundspflaster auf dem Gehweg zum Gewerbegebiet Hafnersgrund.



Thomas Böckle, Chef des Wössinger Bauunternehmens Finner, weiß um die Belastungen seiner Arbeiter. „Du hast einfach nicht die Leistungsfähigkeit wie sonst“, sagt er und reagiert entsprechend. „Wenn es zu arg wird, dann sag ich: Macht Feierabend. Um drei Uhr bist du bei der Hitze einfach platt“. Die Hitze habe auch schon Folgen gezeitigt. Sein Vorarbeiter habe sich schon darüber beklagt, dass ihm nicht gut sei und habe dabei so langsam geredet, hat der besorgte Chef beobachtet.

Seine Schlussfolgerung: Wenn es Maurern zu heiß wird, dann können sie durchaus früher nach Hause und dort schnell unter die Dusche gehen. Am Dienstag vergangener Woche sei die sogar unverhofft gekommen. In die 38 Grad hinein habe sich auf einer seiner Baustellen eine dunkle Wolke für einen kurzen Regenguss geöffnet. Mit bloßem Oberkörper und ausgebreiteten Armen hätten die Arbeiter die kurze, kühle Dusche entgegen genommen mit dem Ausruf: „Das ist besser als ein Orgasmus“.

Ähnliche Beobachtungen kann man auf der Baustelle für das Haus der Gesundheit in Jöhlingen machen. Marek Chelminiliak und Jacek Kowalcik schwitzen unter ihren gelben Sicherheitshelmen. Die Schweiß tropft nur so von der Stirn, während die polnischen Arbeiter in der prallen Sonne an der Armierung für die Nordwand des Hauses der Gesundheit arbeiten. „Trinken, trinken, trinken“ signalisieren sie als ihr Rezept.

Und früh anfangen, wie das auch die Regel ist bei der Firma Abele&Volk, die sich dort um die Sanitärinstallation kümmert. Das würden die jungen Mitarbeite, die in der Regeln lieber ein wenig länger schlafen, nicht immer gern tun, schmunzelt Chef Andreas Volk. Die Arbeit würde aber in jedem Fall so verteilt, dass in den frühen Morgenstunden im Freien, später in der größten Hitze im Inneren gearbeitet werde, wo man nach Möglichkeit eine Durchlüftung herzustellen versuche

Unter der Hitze leiden auch die Mitarbeiter der kommunalen Wertstoffhöfe. In Wössingen schwitzten am Samstag Jürgen Kämmer und Inge Sellink auf der weitläufigen Asphaltfläche, die die Temperatur weiter anheizte. Zur Mittagszeit, als die größte Welle an Grüngutlieferanten über den Wertstoffhof schwappte, gab es für die beiden keine Pause. Hin und her ging es unentwegt zwischen Altpapier, Metall, Styropor und Holzschnitt. Erst später konnten sich beiden unter einen großen Sonnenschirm zurückziehen. „Einfach ruhig bleiben, sich nicht viel bewegen“, gab denn auch Jürgen Kämmer als Bewältigungsstrategie aus. Und viel trinken selbstverständlich wie es auch die Kollegen auf den Baustellen taten.

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