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Frauen an die Macht

Theatergruppe des FC Viktoria Jöhlingen probte die „Frauenpower“
Lang ist es nicht mehr hin bis zu den nächsten Gemeinderatswahlen im Land. Die Parteien und Wählergruppen scharren im Hintergrund schon mit den Hufen. In diese Landschaft passt das Stück, das Regisseurin Hilde Kurz sich für die Aufführung der Theatergruppe des FC Viktoria Jöhlingen in diesem Jahr ausgesucht hatte. Die „Frauenpower,“ die über die Bühne des Martinussaals tobte, sie gedenkt in die Kommunalpolitik einzugreifen und der Männerwelt endlich ihre Domäne streitig zu machen.

Genau so heißt nämlich das Stück von Bernd Gombold. Kein anderer als der theaterversessene Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Inzigkofen hätte so detailreich seine dienstlichen Erkenntnisse in die Intrigenspiele zwischen Gemeinderat (Felix Kurz, Alexander Mergl, Walter Fürniss), Bürgermeister und seinen Schäfchen einfließen lassen können. Die Intrigen braucht der virtuelle Kollege Heinz Gscheidle (Steffen Sprißler-Posabella), der seinem Namen alle Ehre macht. Denn mit der „Frauenpower“ (Beate Schneider, Christine Edelmann, Beate Spitz, Catrin Rothweiler) hat sich in der Gemeinde ein mächtiger Gegner formiert, der nach der Macht greifen und die Misswirtschaft in der Gemeinde beenden will.

Den Schwank hat sich Gombold als die volkstümliche Form zur Präsentation des Geschlechterkampfs ausgesucht. Fein ziseliert werden die Auseinandersetzungen nicht ausgetragen. An manchen Stellen wird auf den groben Klotz ein zu grober Keil gesetzt. Wenn etwa die resolute Gattin (Beate Spitz) ausgerechnet ein Mannsbild von einem Metzger (Walter Fürniss) vor versammelter Mannschaft mehrfach an den Ohren durch die Ratsstube zerrt.

Dort regiert FC-Urgestein Willi Reichert als Wirt Paul und begnügt sich – einem Running Gag gleich – im Wesentlichen mit dem Verhören. Ein bisschen zu häufig wird die Begriffsstutzigkeit angewandt. Ein Umstand, den sich die Akteure allerdings nicht selbst zuzuschreiben haben. Die Vorlage stammt aus der Feder von Bernd Gombold.

Als entscheidendes Bindeglied zwischen den Fronten erweist sich Gemeindeinspektor Hannes Klug (Dennis Schmiglewski). Kurzerhand in den Rock gesteckt wird er als Spionin in die „Frauenpower“ eingeschleust und sorgt mächtig für Verwirrung. Etwa im Rotlichtmilieu von Marylin (Waltraud Eichler). Aber wie es sich für einen ordentlichen Schwank gehört, löst sich am Ende das Verwirrspiel in Wohlgefallen auf und selbst das Bürgermeistertöchterlein (Sophia Hofheinz) darf sich ungescholten an den Hals des Gemeindeinspektors heften.

Beide wie auch alle anderen Akteure konnten sich der Gunst des Publikums gewiss sein. Nach durchweg starken schauspielerischen Leistungen wogte nach so manchem Szenen- ein langanhaltender Schlussapplaus durch den Martinussaal.

Der in der Sonntagnachmittagsvorstellung real anwesende Bürgermeister durfte mit einem fetten Lob von der über weite Strecken ebenfalls rustikal ins Geschehen eingreifenden Beate Schneider nach Hause gehen. Sie freue sich sehr über einen Karl-Heinz Burgey, gerierte sich die Schneider charmant und damit ganz anders als noch wenige Sekunden zuvor.

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