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Faust oder Hand?

Späte Reue für feuchtfröhlichen Besuch des Peter-und-Paul-Festes

Keineswegs außergewöhnlich ist es, dass ein Besuch des Brettener Peter-und-Paul-Festes feuchtfröhlich endet. Die 2,14 Promille indessen, die bei Peter Z. (Name geändert) am 1. Juli vergangenen Jahres auf dem Brettener Polizeirevier gemessen wurden,

sorgten für einen sich außergewöhnlich lang hinziehenden und letztlich sehr teuren Kater. Auf dem Nachhauseweg nämlich drängten die vielen Jack Daniels mit Cola, die er zuvor in einem Festzelt konsumiert hatte, schneller ins Freie als eine Toilette in der Nähe gewesen wäre.

Im Halbduster der Apothekergasse schien ihm der richtige Ort für die Erleichterung. Ziemlich unangenehmen Eindruck hinterließ das Lichtbild der Hinterlassenschaften im Amtsgericht bei Richter Fabian Heisse, dem Staatsanwalt und dem Verteidiger des Unglücksraben. Der nämlich war bei der Verrichtung des kleinen Geschäfts unglückseligerweise einem Jugendschutzteam aufgefallen, das alljährlich seine Runden bei Peter-und-Paul dreht und eigentlich Jugendliche von Torheiten abhalten soll und will.

Auf sein Tun an einer Gartenbegrenzung angesprochen reagierte Peter Z. zuerst gar nicht, wenige Augenblicke später unwirsch. Doppelt unglückseligerweise für ihn befanden sich unter den Mitgliedern des Jugendschutzteams zwei Polizeibeamte in Zivil. Die beiden wollten den Delinquenten, so augenfällig auf frischer Tat erwischt, nicht einfach das Weite suchen lassen und forderten ihn auf, sich auszuweisen. War es nun der reichlich genossene Alkohol oder ein kurz zuvor im Festzelt bei einem Versuch einen Streit zu schlichten erlittener Nasenbeinbruch – einfach nach Hause ins nahe gelegene Hausertal wollte der um einen geraden Gang Ringende und sich dabei nicht von ihm dubios erscheinenden Gestalten aufhalten lassen.

Da fruchtete es nicht, dass die beiden „Gestalten“ sich zunächst mündlich und zumindest einer sich schließlich mit Dienstausweis als Polizisten zu erkennen gaben. Der stark Alkoholisierte wollte den Nachhauseweg fortsetzen, selbst als sich ihm einer der Polizisten in den Weg stellte. Ob Peter Z. sich nun mit Hilfe erhobener Fäusten oder nur mit flach ausgestreckter Händen seinen Weg fortzusetzen gedachte, war der für das Strafmaß entscheidende Punkt der Beweisaufnahme, zu der Fabian Heisse die Mitglieder des Jugendschutzteams, zwei Freunde des Angeklagten und die beiden Polizisten in den Zeugenstand rief, die den Renitenten schließlich zu Boden und anschließend ins Polizeirevier Bretten brachten. Mit leichten Varianten bestätigten alle das Geschehen, das auch der Angeklagte zu Beginn selbst so weit eingeräumt hatte als er sich selbst erinnern konnte („als ich aus dem Zelt an die frische Luft kam, war ich weg“).

Dass Peter Z. das Geschehen zutiefst bereut, brachte er schon im Vorfeld der Verhandlung mit einem Entschuldigungsschreiben an einen der beiden beteiligten Polizisten zum Ausdruck und wiederholte seine Entschuldigungen bei den Mitgliedern des Jugendschutzteams und den beiden Polizisten direkt nach deren Aussagen. Kaum dass er den Blick hob, verfolgte er mit fast ständig gesenktem Blick die Verhandlung. Vom Richter um ein Schlusswort gebeten, rang er unter Tränen lange nach Worten und versicherte schließlich kaum vernehmbar, dass er als Bürger ein Leben weiter führen wolle ohne Strafe.

Sein Wunsch ging nicht in Erfüllung. Fabian Heisse verurteilte den Reumütigen wegen Widerstands gegen Vollzugsbeamte zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen in Höhe von 35 Euro und blieb damit nur geringfügig unter dem Antrag des Staatsanwalts. Daran konnte auch ein engagiertes Plädoyer von Verteidiger Stefan Bugger nichts ändern.

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