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Experten contra BI

Informationsveranstaltung des Regierungspräsidiums zur B293-Umgehung Jöhlingen 

Die B293-Umgehung Jöhlingen ist eines der heißesten kommunalpolitischen Eisen in Walzbachtal. Mehr als deutlich wurde das bei der Informationsveranstaltung des Regierungspräsidiums Karlsruhe in der Wössinger Böhnlichhalle. Rund 400 Besucher saugten nicht nur die Informationen der Expertenriege auf, sondern beteiligten sich in einer ungeheuren Breite an der sich anschließenden Frage- und Diskussionsrunde. Dort prallten die Meinungen aufeinander.
Die Bürgerinitiative, die sich im Frühjahr letzten Jahres in Jöhlingen formiert hatte, schoss eine Breitseite nach der anderen ab gegen die vom Regierungspräsidium favorisierte Trasse. Sie stand dazu im schroffen Gegensatz zu Jürgen Skarke. Unter großem Beifall versicherte der Präsident der Abteilung Straßenwesen in seinem Resümee, „dass die Notwendigkeit der Umgehung nicht mehr in Frage steht.“

 

Eine ganze Riege von Experten hatte das untermauert. Als glühender Verfechter der Umfahrung trat aber zunächst das Ortsoberhaupt in den Ring. Karl-Heinz Burgey ließ die extrem lange Vorgeschichte des Verfahrens Revue passieren. Er rekapitulierte die diversen Diskussionsstände bis hin zur Tunnelvariante unter dem Attental hindurch oder die Anbindung an die B3. Für beides habe die Quintessenz aus dem Regierungspräsidium geheißen: „Das können Sie sich aus dem Kopf schlagen.“ In der Zwischenzeit habe die Gemeinde dennoch in vielen Details etwa mit Geschwindigkeitsbeschränkungen oder einem Lärmaktionsplan etliche Maßnahmen umsetzen können, die Verbesserungen der Verkehrssituation gebracht hätten. „Walzbachtal braucht die Ortsumgehung Jöhlingen. Wenn der Verkehr in der wirtschaftlich starken Region nicht zu vermeiden ist, dann muss er aus dem Dorf raus,“ lautete das Resümee des Bürgermeisters.

Den Bereich Umwelt stellte Burchard Stocks vom Büro für Umweltsicherung vor. Bei den drei in die nähere Untersuchung genommenen Umgehungs-Varianten sei schon die Summe der Erdbewegungen ein Killerkriterium für die am weitesten vom Dorf weg gelegenen Variante. Doch auch bei der gegenwärtig rund 230 Meter vom Ort entfernten Trasse „wäre es illusorisch zu sagen, dass wir es mit dieser Planung nicht mit Verschlechterungen für das Attental zu tun hätten“, räumte Stocks ein. Gerade aber die von der Bürgerinitiative kritisierte etwa 220 Meter lange Brücke ermögliche nicht nur den Luftaustausch, sondern auch den Durchflug der dortigen Fledermauspopulation.

Brücke schafft Durchflug für Fledermäuse

Die neue B293 werde drei Kilometer, der davon abzweigende L559-Ast 780 Meter lang sein, stellte Henning Walbersdorf Details der Planungen vor. Mit der Schilderung des Status Quo kam er zu der Schlussfolgerung, „dass die Verkehrsbelastung in der Durchfahrt zwingend zu reduzieren ist“. Am Jöhlinger Buckel werde es einen 12 Meter tiefen Einschnitt geben. Er ermögliche eine 50 Meter breite Grünbrücke beim Lehrwald. Der sich anschließende Damm werde auf die Brücke über das Attental führen. Die Bahntrasse werde unterkreuzt. Die neue Landesstraße werde über die neue B293 führen, so dass man ohne Kreuzungsverkehr von Wössingen nach Jöhlingen komme. Mit dem Rückbau der alten B293 werde ein Ausgleich entstehe.
Das allerdings kann nicht eine Neuversiegelung von 5,1 Hektar guter landwirtschaftlicher Fläche wieder gut machen oder die Zerstörung von 1,1 Hektar Wald, auf die Landschaftsplaner Wolfgang Schettler hinwies. Die Auswirkungen der geplanten Straße auf Natur und Landschaft seien beträchtlich. Umso mehr mühe man sich um Ausgleich für Vogelarten wie den Neuntöter oder die Dorngrasmücke, für Fledermäuse und die Zauneidechse. Es dürfe keine Verschlechterung des Erhaltungszustands der betroffenen, streng geschützten Arten geben.
Selbst bei den der geplanten Umgehung am nächsten liegenden Häusern im Attental würden die Grenzwerte eindeutig eingehalten, betonte Rebecca Blum bei der Vorstellung der schalltechnischen Untersuchung. Im Gegensatz dazu würden im gegenwärtigen Zustand „für die Leute in der Ortsdurchfahrt gesundheitsgefährdende Werte erreicht.“ Für sie würde die Situation durch eine Umgehung „immens besser“.
Mitglieder der Bürgerinitiative bezweifelten in der sich anschließenden Fragerunde die Angaben zur Lärmimmission. Es sei „blauäugig“ anzunehmen, dass diese Werte eingehalten werden. Mehr Straßen würden mehr Verkehr anziehen. Bürgermeister Karl-Heinz Burgey versicherte, er werde sich für aktive Lärmschutzmaßnahmen einsetzen. Mit dem Bau der Trasse könne nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens im Jahr 2022 begonnen werden, hieß es auf entsprechende Nachfragen. Die Bauzeit betrage drei Jahre. Die Kosten wurden mit 32 Millionen Euro beziffert. Parallel zur Jöhlinger Umgehung arbeite das RP auch an der für den Pfinztaler Ortsteil Berghausen, betonte Axel Speer und kündigte eine öffentliche Informationsveranstaltung für den 18. März an.

 

„Ich bleibe da“

Für sehr viel Aufmerksamkeit hatte gleich zu Beginn der Fragerunde Bernd Braun gesorgt. Er sprach den am Krokusweg, am nächsten zur geplanten Trasse wohnenden Bürgermeister auf Gerüchte an, er werde deshalb sein Haus verkaufen und „flüchten“. Das Gerücht sei ihm mehrfach zugetragen worden, bestätigte Karl-Heinz Burgey. Zunächst verärgert, könne er mittlerweile darüber lachen, meinte er und fügte hinzu: „Ich habe die feste Absicht dort wohnen zu bleiben“.

 

RP-Infos zum Thema:

Ganz ausführlich und mit vielen weiteren Details gibt es das Thema auf der homepage des Regierungspräsidiums unter folgendem link:

https://rp.baden-wuerttemberg.de/rpk/Abt4/Ref44/B293_Jhlingen/Präsentation%20Infoveranstaltung%20OU%20Jöhlingen%20am%2031.01.2019.pdf

Diskussion an den Stelltafeln mit Henning Walbersdorf (rechts): An der Stelle kreuzt sich Jöhlingen mit Wössingen.
Informationsbedarf stillen

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Kommentare (10)

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    ein aufmerksamer und kritischer Bürger

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    Als Antwort auf: Experten contra BI
    Populismus pur!
    Ich bin Bürger von Jöhlingen und gehöre nicht zum Fanclub von Herrn Karl-Heinz Burgey, noch bin ich Mitglied der Bürgerinitiative. Ich war als interessierter Bürger bei der gestrigen Veranstaltung und bin entsetzt über das, was ich dort erlebt habe:
    1. darüber, wie sich Bürger von einer schöngefärbten, idealisierten Visualisierung derart beeindrucken und einwickeln lassen.
    2. entsetzt darüber, dass selbst nach wiederholter Nachfrage bezüglich vorgestellter Lärm- und Schadstoffwerte die zu Grunde gelegten Parameter wie Verkehrszahlen, Geschwindigkeit, Topologiebeeinflussung nicht verständlich genannt bzw. beschrieben werden konnten. Auch Nachfragen bezüglich zu erwartetem zusätzlichem Verkehrsaufkommen von Schwerlastverkehr wurde ausgewichen.
    3. entsetzt darüber, dass man Bürgern Unsachlichkeit vorwirft und dann selbst die Trassenführung und deren Konsequenzen für den Ort aussschließlich populistisch vorstellt.
    4. entsetzt darüber, dass durchgängig versucht wurde, Bürger, die ihre Bedenken äußern, öffentlich lächerlich zu machen. Diese Umgangsform zeigte wieder deutlich, dass Bürgerbeteiligung und Kritik in Jöhlingen nicht erwünscht ist.
    Lieber Herr Burgey, es wird höchste Zeit den Hut zu nehmen – ohne Denkmal!

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    Tom

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    Als Antwort auf: Experten contra BI
    Lieber aufmerksamer und kritischer Bürger,
    ich bin mir jetzt nicht sicher, ob wir beide auf der gleichen Veranstaltung waren? Auf der Veranstaltung, auf der ich zugegen war, konnte ich weder Populismus noch fehlende Antworten auf Nachfragen der Bürger erkennen. Auch wurde dort niemand lächerlich gemacht! Ich hatte eher den Eindruck, dass die meisten Fragen sachlich und zur Zufriedenheit der Anwesenden beantwortet wurden. Aber wie gesagt, eventuell waren Sie ja auch woanders ….

    Tom

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    Tomas

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    Als Antwort auf: Experten contra BI
    Lieber Tom
    leider muss ich dem kritischen Bürger in einigen Punkten recht geben. Ich hatte das Gefühl, dass viele Anwesenden mit den Wortspielen bzw Fachbegriffen gar nichts anfangen konnten. Auch fiel mir auf, dass einige Bürger vor der Veranstaltung zu verstehen gaben, “ Wenn es dir zu laut wird, zieh woanders hin“ oder “ Wir sind wirtschaftlich sooo gut, da ist diese Umgehung sehr wichtig“. Antworten, die vor allem auch eine Gleichgültigkeit wiedergeben. Auch fiel mir auf, dass manche Antworten vom Podium etwas verdreht wurden und erst nach mehrmaligen Nachfragen versucht wurde, diese zu beantworten.
    Und wenn Sie Ihre Antwort bzw Bemerkung „..eventuell waren Sie ja auch woanders ….“ durch den Kopf gehen lassen, machen Sie genau das, was kritisiert wurde. Kritik lächerlich machen.

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      Tom

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      Als Antwort auf: Experten contra BI Als Antwort auf: Tomas
      Lieber Tomas,
      es liegt mir grundsätzlich fern Kritik ins Lächerliche zu ziehen. Wenn aber Personen Populismus und fehlende Umgangsformen anprangern, selbst aber sprachliche Formulierungen wie zum Beispiel »Fanclub des Bürgermeisters«, »schöngefärbten, idealisierten Visualisierung« oder »Hut nehmen – ohne Denkmal« nutzen, dann ist das für mich Polemik und keine Kritik!
      Und um es nochmals zu betonen: Ich hatte auf der Veranstaltung einen ganz anderen Eindruck, als er hier vom »aufmerksamen und kritischen Bürger« geschildert wurde – aber dies ist natürlich auch rein subjektiv zu sehen.
      Tom

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    Thomas

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    Als Antwort auf: Experten contra BI
    Hallo Tom,
    Ich denke auch, dass manche Bürger andere Informationen besitzen bzw erwartet hatten.
    Es wurden Zahlen in den Raum geworfen, die nicht gerade glaubwürdig klingen.
    Die Kfz-Anzahl 16000, wo angeblich täglich durch Walzbachtal fährt. Diese Zahl ist höher als die von der B3 (13000), B10 (12000) Karlsruhe. Ich denke, da sind wir uns einig, dass die B3, B10 ein anderes Kaliber (mehr befahren) als die B293 ist. Das sind eben so Dinge, wo Zweifel an der Glaubwürdigkeit aufkommen lassen.
    Es geht auch nicht nur um die Belastung durch Kfz etc. Es geht auch um andere Interessen, wie Baugebiete etc. Da sind noch einige Aussagen seitens Ämter und Co, wo man etwas ins grübeln kommen würde. Daher sollte man sich nicht wundern, wenn eben auch die Kritik etwas schärfer kommt als gewollt.

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      bauigel

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      Als Antwort auf: Experten contra BI Als Antwort auf: Thomas
      Beim Vergleich mit der B3 sollte man sich bezüglich der Tagessumme nicht verschätzen. Die B3 zwischen Weingarten und Grötzingen hat deutlich ausgeprägtere Verkehrsspitzen und Lastrichtungen (morgens nach Karlsruhe rein / abend aus Karlsruhe raus) als die B293 in Jöhlingen. Wenn man morgens zwischen 7 und 8 vom Bereich Gageneck / Bahnhof den Verkehr beobachtet, hat man zeitweise den Eindruck, das mehr Verkehr aus Karlsruhe raus als nach Karlsruhe rein fährt. Das kann in der Tagessumme schon ein paar hundert Kfz ausmachen…

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    Jöhlinger

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    Als Antwort auf: Experten contra BI
    Ich war auch auf der Veranstaltung und habe mich etwas geärgert über den Anwohner der aktuellen B293 der sich auf 2025 freut (was ich durchaus verstehen kann). Er kann endlich Terrasse nutzen und auch Fenster öffnen. Ich als betroffener Attentäler (letzte Häuserzeile) kann mich nur sehr begrenzt freuen. Aber auch er, zumindest wenn er vom badischen Hof Richtung Wössingen wohnt, sollte sich nicht zu früh freuen. So schön wie ich es jetzt habe wird er es nicht haben (wir gleichen uns halt an). Laut Unterlagen (Prognose) werden es wohl immer noch fast 10000 Fahrzeuge und die Schallbelastung ist immer noch ganz ordentlich. Wir haben uns dann angenähert. Wer den größeren (berechneten) Lärm hat kann ich jetzt nicht sagen, da ich nur meine Werte notiert habe (Tag 51, Nacht 44). Vielleicht hat ja jemand die Werte der Jöhlinger-Straße notiert.
    Die grosse Anzahl der Fahrzeuge kommt wohl daher, da der ganze Jöhlinger Verkehr Richtung Karlsruhe nun zusätzlich genau dort vorbeikommt.

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      Michael

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      Als Antwort auf: Experten contra BI Als Antwort auf: Jöhlinger
      Ich war auch auf der Veranstaltung und bin auch etwas geschockt, dass alle Verkehrsteilnehmer, die von Jöhlingen nach Karlsruhe möchten nun zuerst „Richtung Bretten“ fahren. Neben den Pendlern wird das auch die Anwohner der Jöhlinger Straße ab dem Badischen Hof nicht gerade freuen.
      Eigentlich müsste es ohne viel Aufwand möglich sein, die bestehende B293 Richtung Karlsruhe zu nutzen und eine „Einfädelspur“ in Richtung Karlsruhe zu bauen. Etwas problematischer wird es sicherlich an dieser Stelle mit einer Abfahrt von Berghausen kommend in Richtung Jöhlingen, aber auch das sollte gehen.
      Eine Zufahrt nach Bretten oder eine Abfahrt von Bretten ist an dieser Stelle nicht notwendig. Der Vorteil für alle die von Jöhlingen nach KA pendeln ist erheblich, das Verkehrsaufkommen in der Jöhlinger Straße nach dem Badischen Hof ist deutlich geringer und der Verkehr im neuen Bauabschnitt der B293 ist ebenso geringer. Ich denke ein Mehraufwand, der sich sicherlich lohnt…..

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    bauigel

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    Als Antwort auf: Experten contra BI
    Jöhlinger Straße ist Mischgebiet – das darf deutlich lauter sein; die Grenzwerte für den Mittelungspegel sind 60 bzw 45 dB(A) – und nach Aussage in der Präsentation werden die rechnerisch nur um 0,1 dB(A) unterschritten. Dieser Mittelungspegel entspricht einem unmittelbar neben der Person stehenden Benzinrasenmäher auf vollen Touren – Spitzenschallereignisse wie z. B. an der Anschlussstelle abbiegende Lkw in Richtung Wössingen/Ortsmitte Jöhlingen/Grund/Weingarten machen nochmal deutlich mehr Lärm. Da möchte ich den Herrn doch mal ein paar Stunden auf der Terrasse sitzen sehen!
    Und durch das Hochlegen der Anschlußstelle wird gerade an der Jöhlinger Straße zukünftig nicht nur die Straßenseite, sondern auch die Rückfront beschallt.

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    Doto

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    Als Antwort auf: Experten contra BI
    Schade, dass am Montag bei wunderbarem Sonnenwetter nicht einige Politiker oben an der Kapelle waren! Wir brauchen nicht mehr Straßen, die zusätzlichen Verkehr anziehen, sondern eine komplette Wende! Immer nur mehr Verkehr geht schlicht und einfach nicht.

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