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Dreckwalz

Jürgen Protz erzählte Geschichten vom Jöhlinger Walzbach
Den Geburtstag feiert man in aller Regel zu Hause. Jürgen Protz aber ging an seinem 77. zum Vortrag beim Walzbachtaler Erzählcafe im Jöhlinger Bürgertreff. Der Heimatforscher und profunde Kenner der Jöhlinger Geschichte blickte dort zurück auf „Die Jöhlinger und ihre Dreckwalz“ und wurde selbstverständlich gleich zu Beginn mit einem gehörigen Geburtstagsständchen bedacht.

Cafe und Geschichte-Fotos – das geht prächtig zusammen.

Danach stand der Bach im Mittelpunkt des Nachmittags. Die wenig schmeichelhafte anmutende Bezeichnung „Dreckwalz“ habe weit zurückliegende historische Gründe und sei dem Bach von den Weingartenern zugeschrieben worden. Die nämlich litten im 18. und 19. Jahrhundert unter den mächtig mit Lehm belasteten Fluten des Walzbachs. Verantwortlich dafür machten die Weingartener die Wössinger, die ihr immer im Lehm eingeschlossenes Triebelerz, mal Bohnerz im Bach reinigten und ihn dabei mit einer gewaltigen, sich bis über Weingarten hinziehenden Dreckfracht versahen. Gar nicht gut sei das bei den Weingartener Müllern angekommen, die sich über den Dreck in ihren Mühlrädern beschwerten, meinte Protz.

In zeitgenössische Gefilde führte der Heimatforscher die rund 40 Besucher mit Erinnerungen an die diversen Brunnen, die den offenen Bachlauf bis hin zu seiner Verdolung im Jahr 1966 säumten. Sehr viele der fast durchweg älteren Semester erinnerten sich sehr wohl an Mönchsbrunnen und Storchenhäusle und den Kirchplatzbrunnen. Mit einem lauten „Hajo“ bestätigte mancher der Anwesenden, dort als Schulkind seine Schiefertafel abgewischt zu haben.

Wasser war aber immer auch Streitpunkt. Über das Wässern der Wiesen sei es immer zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den Bauern gekommen. Im Jahr 1865 sei das so weit eskaliert, dass einer von ihnen im Streit von seinen Kollegen erschlagen worden sei, berichtete Protz.

Immer gut besetzt, wenn Jürgen Protz erzählt

Die Fotos, an denen Jürgen Protz seine Erzählungen festmachte, lösten oftmals Emotionen aus wie auch die Dialektgedichte seines Cousins und ehemaligen Bürgermeister Friedrich Protz oder eines von Kurt Schwarz. Laute „toll“ und „schee“ begleiteten an vielen Stellen den Vortrag. Etwa die Schilderung, bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein habe die Jugend die Pfalzwiesen Richtung Weingarten als Schwimmbad genutzt und so manches Mal zum Ärger der Müller verbotenerweise das Kettenwehr heruntergelassen. Da huschte ein wissendes Lächeln über die Gesichter der Senioren.

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