Header

Die Ballistik des Düngerkorns

Über den Einzug der digitalen Welt in die Landwirtschaft

Im Märzen der Bauer die Rösslein schon lang nicht mehr anspannt. Die Mechanisierung hat die Vierbeiner aus der Landwirtschaft komplett abgelöst. Jetzt steht eine neue Technik an, die das Bauernhandwerk erneut revolutionieren wird: Die Digitalisierung der Landwirtschaft.

In Sulzfeld ist man dabei besonders weit gediehen. In dem kleinen Start-Up Gründerzentrum an der Ochsenburgstraße entwickelt die Firma FarmBlick digitale Strategien für Landwirte, um deren Arbeitsaufwand weiter zu minimieren und die Erträge im Gegenzug zu steigen. In ganz Deutschland setzen Bauern seine Hightech-Ratschläge schon um.

Das reicht so weit, dass die mit einem Millimeterwellenradar ausgestatteten Traktoren Informationen über die Feuchtigkeit und das Gewicht der Düngerkörner erhalten und daran die Drehzahl der Teller ausrichten, um die richtige Ballistik beim Auswerfen der Düngerkörner zu erhalten. Die Körner fliegen genau an den Punkt, an welchem sie liegen sollten. Bis jetzt würden solche Techniken vor allen Dingen Bauern aus dem Norden Deutschlands anwenden, wo größere landwirtschaftliche Flächen bearbeitet werden müssen, informierte FarmBlick-Geschäftsführer Oliver Martin eine kleine israelische Delegation vor Ort.

Die sieben Israelis hatten eine Einladung des Goethe-Instituts angenommen für eine Tour durch digitale Vorzeigeprojekte in Deutschland. Sie selbst sind in Tel Aviv, Galiläa oder Hasharon an Projekten der künstlichen Intelligenz beteiligt. In Deutschland führte sie die Tour ins Karlsruher ZKM, zu einem Projekt in Stuttgart, wo die Autobauer an der künstlichen Intelligenz bei Daimler forschen, oder zur SAP nach Berlin, wo Betriebserfolge mit dem Einsatz von digitaler Intelligenz demonstriert werden.

Oliver Martin, Geschäftsführer und Gründer von FarmBlick, gab zunächst einen kleinen Überblick über die Tätigkeit seines Start-Ups. Dann allerdings ging es schon ans Eingemachte und an Details, die für einen Außenstehenden nahezu unglaublich klingen. Ein Boden-Scanner, der während des Pflügens seinen Untergrund in vier Schichten gleichzeitig analysiert und Informationen gibt zu Feuchtigkeit und Bodenverdichtung. Oder ein Scannet der Felder mit Infrarot und Wärmebildkamera vor dem Ernten abtastet, um möglicherweise im reifen Getreide versteckte Rehkitze entdecken und retten zu können. Oder Systeme, die automatisch den Pflug am Ende des Feldes heben, das Umdrehen des Traktors steuern und das erneute Absenken des Pflugs. Hochkomplex das alles und dennoch muss es einfach sein in der Bedienung, betonte Martin: „Die Bauern sind immer noch Bauern und keine IT-Spezialisten“.

Sehr schnell war danach das Eis innerhalb der Gruppe gebrochen und ein reger Austausch von Ideen, Fragen und Wissen fand statt. Besonders beeindruckt waren beide Seiten, dass es auch in Israel Ansätze wie die „FarmBlick-Community“ gibt. Eine unabhängige Plattform, auf welcher sich Landwirte vernetzen, modernste Werkzeuge nutzen und somit einen leichten Einstieg in das Thema Smart-Farming erhalten.

Den Abschluss bildete ein kleiner Ausflug zur Burg Ravensburg mit ihrem Blick über den Kraichgau. Abgerundet wurde alles mit einem kleinen Glas Sulzfelder Wein, kredenzt von Sarina Pfründer. Die Bürgermeisterin verwies auf die „Inrternationalität“ ihrer Gemeinde mit Partnerschaften im polnischen Novosolna, dem kalifornischen El Cajon und Avize Frankreich. Da füge sich der Besuch aus Israel gut ein, meinte Pfründer und rührte kräftig die Werbetrommel für den „Famous wine of Sulzfeld“.

Trackback von deiner Website.

Kommentieren

Home Footer Links