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Der Dialekt stirbt

Jöhlinger Heimatforscher befürchtet das Schlimmste für die Jehlinga Sprooch

Sprache ist einer der wichtigsten Identifikationsfaktoren eines Menschen. Das gilt erst recht für Dialektsprecher. Doch gerade um den Dialekt steht es schlecht. „Der Dialekt stirbt aus“, steht für Jürgen Protz fest.

Der veritable Kenner der „Jehlinga Sprooch“, wie das jüngste Erzählcafe im Jöhlinger Bürgertreff betitelt war, sieht deren Entwicklung mehr als düster. Groß geworden in einem Haus, so berichtete er, „in dem ausschließlich Dialekt gesprochen wurde“, bedauert er diese Entwicklung wie kaum ein zweiter. Umso positiver kommentierte Protz eine Initiative der Landesregierung für den Erhalt der Muttersprache. Den von Landesvater Winfried Kretschmann angestoßenen Mundartkongress bezeichnete er als eine wichtige Anstrengung dass sie erhalten bleibt. Vorbildlich sei auch das Engagement von BNN-Autor Thomas Liebscher, der sich des Themas immer wieder annehme.

In Jöhlingen wies er eine ähnliche Rolle Kurt Schwarz und dem ehemaligen Bürgermeister Friedrich Protz zu. Kaum einer der bedeutenderen Jöhlinger Geburtstage sei vorüber gegangen, ohne dass einer der beiden ein Dialekt-Gedicht vorgetragen habe. Als Beispiel zitierte er die sogenannte „Altertumshalle“. Ein Gedicht, das zum Ausflug in die jüngere Geschichte wurde, in die Zeit, als Müllabfuhr auf dem Dorf noch ganz anders betrieben wurde. Was tatsächlich nicht mehr gebraucht und nicht mehr verwertet werden konnte, das sei in Jöhlingen in der sogenannte „Altertumshalle“ gelandet. Eine freundliche Umschreibung für das Gebiet über dem Eisenbahntunnel beim Deisentaler Kreuz, wo heute Altertumsforscher nachgraben und sich manches interessante Relikt finden können.

Dem pensionierten Lehrer habe sein Dialekt im Schulalltag nie geschadet, bekennt er. Im Gegenteil habe er in seinen ersten Jahrzehnten sicher so manchen Büchiger Landbub mit seiner Sprache besser erreicht als wenn er hochdeutsch gesprochen hätte. Als eine ganz besondere Form des Dialekts charakterisierte er die Jöhlinger Form. „Die Jöhlinger sind einfach faul in ihrer Sprache“, meinte er und führte die Buchstaben T und P an. Beide existierten praktisch nicht  im Jehlingarisch. Das T wird zum D und das P zum B. Beispiel: Aus dem Tag wird der „Dag“ und aus dem „Pulver“ das „Bulfa“. Einzig in der Zusammensetzung dem folgenden Konsonanten F bleibe das P erhalten wie etwa beim „Pfeil“.

Wer die Jöhlinger verstehen wolle, der habe mitunter unerwartete große Probleme. Ee gebe erstaunliche Doppeldeutigkeiten. Das „Kärchle“ beispielsweise bedeutet keineswegs nur „kleine Kirche“, sondern auch „kleiner Wagen“. Solche Beispiele zählte Protz wie Perlen an einer Schnur auf und führte zu weiteren sprachlichen Besonderheiten, die selbst Alteingesessenen nicht bekannt waren. „Des hewwe jetzt net gwisst“, staunten die rund 40 zumeist deutlich jenseits der 70 befindlichen Besucher des Nachmittags.

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Kommentare (7)

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    wessinga

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    Als Antwort auf: Der Dialekt stirbt
    Sogar die Pfollhoob wird Bfollhoob gschbroche 🙂 Uff deitsch – Fällhippe

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      Waidelich Arnd

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      1. „Fällhippe“??? Da weiß noch nicht mal Herr Google was dazu. Ich würde eher sagen: machetenartiges, kleines Hiebwerkzeug, ehedem besonders benutzt, um die Blätter bei den Dickrüben abzuhauen.
      2. Kann ein Wessinga wissen, wie die Jehlinga ihre Pfollhoob aussprechen???

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      Waidelich Arnd

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      Wer hätte das vermutet: Die Pfollhoob im Zentrum des öffentlichen Interesses!

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        WDB

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        Als Antwort auf: Der Dialekt stirbt – Als Antwort auf: Waidelich Arnd
        Recht so, auch kleine Dinge bringen fruchtbare Diskussionen. Im Übrigen kenn ich die Pfollhoob auch als Dickrübenzerteiler. In Sachen Sprachabwandlung würde ich mal ganz unverbindlich auf “ Pfahlhaue “ tippen

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    Alwin Koch

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    Als Antwort auf: Der Dialekt stirbt
    Als alda Jehlinger mecht i noch uff folgende Wädda ufmerksam mache:
    Imbä = Himbeeren
    Brufä = Brombeere
    Konzltrauwe = Johannesbeere
    Quelle: Karl(d Hucks Karl) und Amalie (s Male) Huck, früher Kirchplatz 8.

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