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Bücherrestauration

Buchwurm nagt an Melanchthon
Das Melanchthonhaus ist eine altehrwürdige Brettener Institution. Noch viel älter sind deren Bücherbestände. Wie an allem nagt auch an ihnen der Zahn der Zeit. Manche Bücher sind in katastrophalem Zustand, berichtete Kustos Dr. Günther Frank jetzt während der Eröffnung einer Ausstellung im großen Saal des Melanchthonhauses. Mit ihr sollen die Bemühungen um die Restauration der wertvollsten alten Bände dargestellt werden. Zerbröselnde Einbände, Pilzbefall, Insektenfraß sind nur einige der Schadensbeschreibungen, die rasches Handeln erfordern. Um sie vor dem endgültigen Verfall zu bewahren, müsse unbedingt eine Restaurierung vorgenommen werden.

Das konnte natürlich nicht auf den gesamten Bestand einer der bedeutendsten reformationsgeschichtlichen Bibliotheken angewandt werden. Zwanzig aus den rund 4500 historischen Drucken wurden ausgewählt und von den beiden Restauratorinnen Magdalena Liedtke und Petra Landsknecht unter die Mangel genommen. Über drei Jahre hinweg erstreckte sich ihre gründliche Arbeit.

Die Restauratorin Magdalena Liedke erläutert ihre Techniken zur Restauration der Bücher des Melanchthonhauses

Das Gute daran: Der Etat des Melanchthonhauses wurde dadurch in keinster Weise belastet. Dem Melanchthonverein gelang es, Buchpaten für die Restaurierung zu finden. Allein die Dr.-Gaide-Stiftung übernahm die Patenschaft für neun Bücher. Sie stellte nach Angaben des Stiftungsratsvorsitzenden Dr. Dr. Peter Leinberger über 15000 Euro des Gesamtetats von 21.800 Euro zur Verfügung. Dazu kamen acht Einzelpaten, zwei Mal die Herbert-Lohner-Stiftung und ein Band finanzierte der Verein für Freunde und Förderer der Melanchthon-Akademie. Sie alle waren illustres und einzig geladenes Publikum der kleinen Feierstunde, die ganz im Zeichen der Bemühungen um diese alten Folianten stand.

Restauratorin Petra Landsknecht hielt sich nicht lange mit Vorreden am Pult auf, betonte dort nur kurz ihren Respekt vor den Originalen und dass das Ziel ihrer Arbeit es keineswegs sei, die Bücher „neu“ zu machen, sondern den Original-Zustand zu erhalten. Dann versammelte sie das Publikum in einen Kreis vor eine der Vitrinen, in denen die einzelnen Schritte der Restauration dokumentiert sind. Ausführlich und detailreich schilderte sie die Schäden, die sie vorgefunden hatte, die Werkzeuge, ihre Anwendung und das Ergebnis ihrer Arbeit, dokumentiert und illustriert mit Fotos der jeweiligen Arbeitsschritte.

Verwendet wurden dabei nur natürliche Materialien wie hauchdünnes Japanpapier, Leinengewebe, Lederstücke und pflanzliche Klebstoffe. Im Extremfall habe sie mit Pinsel, Skalpell oder Spatel zwei Monate an einem einzigen Buch gesessen. Nichts für Michael Nöltner, wie der Bürgermeister freimütig bekannte und die Geduld der Restauratorinnen bewunderte. Umso mehr bedankte er sich bei ihnen für ihre Bemühungen, die Bücher vor dem Verfall zu retten. Ihm schloss sich der ehemalige Melanchthonvereinsvorsitzende Joachim Reiber an. Dr. Frank schließlich verband seinen Dank mit dem Hinweis, dass in einer der Vitrinen weitere Bücher ausgestellt sind, die dringend der Restaurierung bedürfen. Er hoffte, dass sich durch die Ausstellung weitere Buchpaten finden.

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