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Brummi-Streit

Probleme mit litauischen LKWs im Jöhlinger „Grund“

Die rasant fortschreitende Globalisierung bestimmt seit Jahren die wirtschaftliche Diskussion. Die Die Ost-Erweiterung der Europäischen Union hat diesen Trend beschleunigt. Vorreiter aus den Ländern des Baltikum sind oftmals Logistik-Unternehmen, die ihre Transport-Kapazitäten nach Deutschland ausweiten und anbieten. Litauen liegt dabei ganz vorn. Das kleine baltische Land hat jetzt auch in dem Walzbachtaler Ortsteil Jöhlingen Einzug gehalten. Auf dem Gelände einer ehemaligen Abbruch- und Recyclingfirma in der Grombacher Straße hat eine litauische Firma Quartier bezogen.

Das ist in weiten Bereichen durchaus wörtlich zu nehmen und sorgt bei den Nachbarn für mächtig Verdruss. Denn das weitläufige Gelände reicht nicht aus, die vielen Autotransporter – mal mit mal ohne PKW-Beladung – zu beherbergen. Die Fahrer weichen mit ihren Brummis auf die Grombacher Straße aus. Schon seit etlichen Monaten stehen sie nicht nur auf der Fahrbahn, sondern blockieren auch die Gehwege. „Eine litauische Firma verlagert ihren Fuhrpark in den öffentlichen Parkraum der Gemeinde“, beklagt sich denn auch nicht nur Nachbar Johannes Kühn. Im Walzbachtaler Rathaus sind darüber schon etliche weitere Beschwerde-Mails auch von Gemeinderäten eingegangen.

Das Fass zum Überlaufen brachte für Johannes Kühn ein Tag im Dezember. „Heute Morgen standen zwölf LKW der litauischen Firma Bleiras entlang der Grombacher Straße, beziehungsweise. in den Seitenstraßen. Dieses geht so schon über Monate mit unterschiedlich vielen Fahrzeugen. Immer wieder sind die Fahrzeuge so abgestellt, dass dadurch der Gehweg manchmal über die Länge von zwei LKWs oder rund 40 Metern nicht benutzt werden kann“, schrieb Kühn in einem Beschwerdemail, das der BNN vorliegt und auch an die Gemeindeverwaltung ging.

Damit nicht genug würden Wartungs-und Reparaturarbeiten an den Lastwagen auf der Straße ausgeführt, auch an Sonntagen. Öl und Treibstoff würde teilweise umgefüllt ohne ausreichende Schutzvorrichtung. Unterkünfte für die Fahrer gebe es nicht. Die Fahrer hausten in ihren Kabinen. Jetzt in der kalten Zeit laufen dadurch die Standheizungen in den LKWs rund um die Uhr. Die Frage nach sanitären Einrichtungen für die Fahrer stellt Johannes Kühn nicht nur als Beschwerde, sondern auch in Sorge um die Arbeitsbedingungen der Fahrer.

Die Situation ist mittlerweile durch Briefe, mails und persönliche Vorsprachen auch der Walzbachtaler Gemeindeverwaltung bekannt. Mitte Dezember seien Gespräche mit dem Grundstückseigentümer aufgenommen worden, teilte Ordnungsamtsleiter Oliver Schmitt auf Anfrage mit. Die Gemeinde sei dabei, die Situation ordnungs-, gewerbe- und baurechtlich zu klären, ergänzte Bürgermeister Karl-Heinz Burgey. Die Polizei werde vor Ort die Situation stichprobenartig überprüfen.

Nicht einverstanden mit den Kühnschen Anschuldigungen ist indessen die Familie Hammel/Schuler. Die Besitzer des Gewerbegrundstücks und der Lagerhalle, in der die LKWs parken, räumen zwar ein, dass es im Dezember zu Engpässen beim Abstellen der Lkw gekommen sei während einer Hallendacherneuerung und der Montage einer Solaranlage. Die Grundstückseigentümer und die LKW-Fahrer hätten aufgrund dieser Situation schnell reagieren und auf öffentliche Parkplätze und teils Gehweg ausweichen müssen.

Sabine Hammel erklärte, dass es sich bei der Transportfirma um eine verantwortungsbewusste, seriöse Firma aus Litauen (Sabine Hammel: „die größte in Litauen“) handele, „die unsere Abstellfläche und Halle angemietet haben“. Dort seien selbstverständlich sanitäre Einrichtungen und gemütliche Aufenthaltsräume vorhanden. Die Situation sei mittlerweile zwischen Gemeindeverwaltung und Eigentümer besprochen worden.

Sabine Hammel fragt sich aufgrund der Anschuldigungen, „ob unsere Gemeinde ausländerfeindlich ist“? Sie selbst wisse, dass es in letzter Zeit immer wieder zu heftigen, verbalen Beschimpfungen gegenüber den Lkw Fahrern gekommen sei, als diese von der Straße rückwärts ins Grundstück einparkten und dabei kurz den Verkehr behindert hätten. Das andererseits müsse gerade in einem Gewerbegebiet akzeptiert werden.

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Kommentare (9)

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    Joachim

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    Als Antwort auf: Brummi-Streit
    Als Aussenstehender wundert mich die Aussage ‚Gemeinde ausländerfeindlich‘ schon. Laut dem Artikel geht es ja hauptsächlich ums Gehwegparken, und wenn man das obere Foto sieht verstehe ich die Anwohner/Fußgänger schon. Überhaupt ist es in ganz Walzbachtal eine Unsitte den Gehweg als Parkfläche zu missbrauchen. Als Fußgänger muss man immer öfters bei Gegenverkehr warten oder auf die Straße ausweichen. Auch ist an vielen Stellen ein zu zweit nebeneinader gehen einfach nicht mehr möglich -> lieber gleich auf die Straße.

    Als extremes Beispiel (aber eigentlich ist es überall so) will ich die Weingartener Straße aufführen. Ist der Gehweg richtig breit, wird einfach das ganze Auto darauf abgestellt. Unglaublich.

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    Kraichgauer

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    Als Antwort auf: Brummi-Streit
    Irgendwann musste die hochge- und bejubelte Grenzenlosigkeit ja einmal auch im „hintersten Winkel“ angelangen. Und „pecunia non olet“ kommt einem natürlich auch in den Sinn – zumindest da, wo es ankommt. Reflexhaft mit der Keule „ausländerfeindlich“ loslegen, wenn über Maßen strapazierte Anwohner sich gegen Missstände wehren, insbesondere gegen übermäßige und teilweise unzulässige Inanspruchnahme des Öffentlichen Raumes, das ist zwar auch gerade äußerst populär und zeigt eine gute Auffassungsbegabung, in der Sache jedoch vollkommen inakzeptabel. Nicht in jedes Gewerbegebiet passt ein Speditionsgewerbe, Zufahrt über eine einzige Straße, durch Wohngebiete und mitten durch den Ort sind vollkommen ungeeignet. Im Gegensatz zum peniblen Regulieren so gut wie nicht vorhandenen Einzelhandels besteht hier echter Handlungsbedarf des Hauptorgans der Gemeinde. Also, nur Mut!

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    Christoph

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    Als Antwort auf: Brummi-Streit
    Als Bewohner der Grombacher Straße wundert es mich, dass die Firma Bleiras als Sündenbock herhalten soll. Die meisten Parkverstöße werden durch Einheimische begangen. Zum Beispiel Gehwegparken, ausgewiesene Pkw Parkplätze mit Anhängern oder LKw zustellen, gegen die Fahrtrichtung…….. Der letzte Unfall vor etwa 2 Wochen (Fichtestr/Grombacher Str) wurde von einem ortsansässigen Handwerker verursacht. Zu schnell fahren nicht die großen Brummis, das sind die kleinen und die PKws.
    Etwas mehr Überwachung sowohl des ruhenden als auch des fliessenden Verkehrs täte hier nicht schaden. Je mehr man sich dem Ende der Grombacher Str nähert, umso chaotischer wird die Parksituation.

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    Anlieger

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    Als Antwort auf: Brummi-Streit

    In der Grombacherstr. parken auch viele andere LKW die auch beim Beladen den Verkehr behindern da sagt anscheinend niemand etwas.Über die Parksituation im Gewerbegebiet gibt es nichts zu sagen solange es der Gemeinde anscheinend gleichgültig ist dass dort monatelang angemeldete PKW abgestellt sind .Was nützt das schönste PKW Zeichen unter dem Parkschild wenn es dann niemand interessiert dass dort viele Lkw abgestellt werden.

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    Happyness

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    Als Antwort auf: Brummi-Streit
    Allein die Vorstellung, wie Menschen ihre Dezembertage mit LKW zählen verbringen weckt Mitgefühl. Hier sollte sich etwas ändern! Wenn auch vielleicht nicht die Dinge, dann doch zumindest die Bedeutung, die ihnen gegeben wird.

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    Kraichgauer

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    Als Antwort auf: Brummi-Streit
    Warten wir noch den nächsten fachkundigen „Anwohner“ ab, der uns endlich aufklärt, dass die „Einheimischen“ als „Gehwegparker“ in Wirklichkeit doch selber in ihren Karossen auf der Straße nächtigen. Selbstverständlich verkehrt rum,“gegen die Fahrtrichtung“. Und überhaupt, wer von den „LKW zählern“ kommt seiner Räum- und Streupflicht nach? Aha! Schönste Beispiele für rabulistische Whataboutismen. Wer solche empathiebefreite Mitbürger als Nachbarn hat, der braucht sich wahrlich keine Mühe mehr geben. Warum nicht gleich den Grund einzäunen und einfach zur „Rechtsfreien Zone“ erklären? Falls der öffentliche Raum für Speditions-LKW mal wegen „Umbauten“ wieder nicht reicht, es gibt jetzt ja den Rathausplatz. Alle Probleme gelöst. Wer dann immer noch nicht seine Happyness durch Wegschauen hinkriegt, der braucht was zum Einwerfen … 😉

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    Christoph

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    Als Antwort auf: Brummi-Streit
    Nur weil einem die Antworten nicht gefallen braucht man nicht alles verdrehen und die anderen unqualifiziert herabsetzen. Ich frag ja auch nicht ob das Grünzeug neben dem Lkw, das den anderen halben Gehweg blockiert, zum Nachbargrundstück gehört. 😉 Wenn ich auf dem Land wohne muss ich halt mit Landwirtschaft rechnen, wenn ich im Gewerbegebiet wohne findet eben Gewerbe statt. Es bleibt unbenommen bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Vielleicht gibt’s dort mehr Empathie?

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    Harald Kann

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    Als Antwort auf: Brummi-Streit
    Streiten braucht man da eigentlich nicht. Das ist ja schließlich ein Gewerbegebiet und warum soll es da keine Spedition geben? Blöd ist nur, dass die einzige Zufahrt zu dem Gewerbegebiet durch ein Wohngebiet und die Jöhlinger Straße geht. Dabei hätte man zwischen Jöhlingen und Wössingen genügt Platz für ein richtiges Gewerbegebiet gehabt. Und das auch noch direkt an der B293!
    Würde mich interessieren, ob das vielleicht mal geplant war.

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    Elke

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    Als Antwort auf: Brummi-Streit
    Ja, nun rächen sich die Planungsfehler aus den 60er und 70er Jahren, als noch die alten einheimischen Jöhlinger Gemeinderäte meinten man muß das Gewerbegebiet für Jöhlingen in den Ortsteil Grund legen. Damit hat sich Jöhlingen auf Dauer die Ansiedlung von interessanten Industrieunternehmen verbaut. Man könnte nun meinen aus Fehlern lernt man, zumal es in der näheren Umgebung genügend gute Beispiele gibt, in denen Gemeinden interessanten Industrienasiedlungen haben ( siehe Bretten-Gölshausen, siehe Königsbach Stein, Remchingen-Wilferdingen, Karlsbad- Ittersbach oder Straubenhardt). Aber nein, es kommt für Jöhlingen noch schlimmer, 40 Jahre später machen die Nachfolger der alten Jöhlinger Gemeinderäte den selben Fehler und erschließen die andere Seite des Grundes als Gewerbegebiet, obwohl die Gemende an einer Bundesstrasse liegt mit super Autobahnanschluss in Karlsruhe, Bruchsal und Pforzheim. Glücklicher könnte eine Gemeinde nicht gesegnet sein. Heiliger St. Martin.
    Ja, aber manche Gemeinde lernte eben nie und wundert sich dann wieso die Gemeindekasse klamm ist. Weiter so Jöhlingen, aber vielleicht werden wir in Zukunft ein Stadtteil von Karlsruhe ?
    Karlsruhe braucht Bauland und schöne Wohngebiete hat Jöhlingen allemal, weiterhin einen tollen Stadtbahnanschluss und den Weitblick, den der Walzbachtaler Gemeinderat bisher nicht hatte,den werden die Karlsruher Räte dann schon mitbringen.

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