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Bedenken zurückgewiesen

Seniorenzentrum wird in Flächennutzungsplan aufgenommen
Die zweite Änderung der zweiten Fortschreibung des Flächennutzungsplanes hat der Walzbachtaler Gemeinderat gebilligt. Die Bereiche „Auf der krummen Seite“, „Kirchberg“ und „Auf der Hofmanns Seite“ wurden dadurch in den bestehenden Flächennutzungsplan aufgenommen. Die Diskussion um den Standort des neuen Seniorenzentrums im „Kirchberg“ spiegelte sich in den Stellungnahmen wider, die zu dem Vorentwurf eingegangen waren und über die der Gemeinderat zu entscheiden hatte. Sechzehn Anlieger des benachbarten Baugebiets „Gageneck“ hatten sich zu einer Interessengemeinschaft gegen den Standort des Seniorenzentrums zusammengeschlossen. Starke Zweifel an dem „Erfordernis der geplanten Neuausweisung eines Sondergebiets für den Bau von Pflegeheimen“ brachte auch der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) vor. Planer Lars Petri nahm Stellung zu den vorgetragenen Bedenken. Alle wurden vom Gemeinderat einstimmig zurückgewiesen. Die Änderung wird beim Landratsamt eingereicht und wird wirksam nach der Bekanntmachung.

Im Mittelpunkt der Bedenken der Interessensgemeinschaft stand die Anbindung des Seniorenzentrums. Die Anwohner befürchten, „dass der gesamte Verkehr zu und vom Sondergebiet durch das ebenfalls verkehrsberuhigte Wohngebiet „Gageneck“ mit den ausgewiesenen Wohn- und Spielstraßen fließen wird“. Schon Lars Petri wies diese Befürchtung zurück. Es sei keineswegs zu erwarten, dass durch das Seniorenzentrum „Massen an neuem Verkehr entstehen werden“. Das geforderte Verkehrsgutachten sei nicht notwendig.

Karl-Heinz Burgey untermauerte das. Die Gemeinde habe in den vergangenen zehn Jahren große Anstrengungen unternommen in der Innenentwicklung. „Wenn wir dort eine Chance auf einen alternativen Standort gehabt hätten, dann hätten wir die wahrgenommen“, wies der Bürgermeister insbesondere den Vorwurf zurück, die Gemeinde habe sich nicht ausreichend nach einem anderen Standort umgesehen. Nur der könne „solch plumpe Behauptungen“ aufstellen, der sich mit diesen Bemühungen in der Vergangenheit nicht beschäftigt habe. Die von der Interessengemeinschaft vorgeschlagenen drei anderen Standorte würden keine bessere Eignung aufweisen. Sie würden einzig deshalb vorgebracht, um Belastungen von sich weg auf andere Stellen im Dorf abzuschieben.

Der gewählte Standort weise eine hohe Eignung zur Errichtung eines Pflegeheims auf. An der Standortwahl wird festgehalten, fasste der Planer danach zusammen. Die genannten Alternativstandorte führen nicht zu Verbesserungen, sondern nur zu Verlagerungen. Die verkehrliche Anbindung des Plangebietes wird als ausreichend eingestuft. Die Erholungsfunktion des Bereiches am Kirchberg werde durch die Planung nicht beeinträchtigt. Ebenso sei keine relevante Störung des Landschaftsbildes erkennbar.

Weitere Details der Planungen wurden mit dem Bebauungsplan „Kirchberg“ diskutiert. Das notwendige Artenschutzgutachten sei durchaus objektiv erstellt worden, betonte Lars Petri und wies gegenteilige Vorwürfe zurück. Es werde ein Ersatzhabitat für die in der Fläche nachgewiesenen Zauneidechsen geschaffen. Als Ausgleichsmaßnahmen werden Flächen beim FV Wössingen und die Fischzuchtanlage visavis des TV Wössingen in ein Feuchtbiotop mit Auwaldcharakter umgewandelt. Die ursprünglich vorgesehene Kinderbetreuung in dem Seniorenzentrum wird aus dem Katalog der zulässigen Nutzung herausgenommen. Besonders wichtig war dem Bürgermeister, dass der Erschließungsweg aus Pietätsgründen weitere 1,5 Meter vom Jöhlinger Friedhof entfernt geführt werden könne. Die Änderungen und die öffentliche Auslegung wurden mit dem Entwurfsplan vom Gemeinderat gebilligt. Seine Stimme dagegen erhob lediglich Roland Schneider, der auf einer zweiten Zufahrt für das Seniorenzentrum beharrte.

Karl-Heinz Burgey legte besonderen Wert auf die Verträglichkeit des Seniorenzentrums mit der Nachbarschaft. Heute würden Friedhöfe wieder als Orte der Begegnung begriffen und lägen oft in direkter Nachbarschaft zu Wohnbebauung. Weder Ruhe noch die Würde des Friedhofs würde durch den Erschließungsweg beeinträchtigt, meinte der Bürgermeister und verwies auf das Beispiel Blankenloch, wo ganz andere Beeinträchtigungen bestünden. Die Gemeinde gehe verantwortungsvoll mit dem Thema um.

Wenn die Bewohner des „Gageneck“ sich über die befürchtete Verkehrszunahme beschweren, dann sollten sie sich mal vor Augen führen, dass es in Jöhlingen Straßen gebe, bei den an den Anliegern täglich 8000 oder 16.000 Autos vorbeifahren. Beim SZ gehe es um einen Bruchteil. Das sei „bitteschön, sehr überschaubar“.

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Kommentare (3)

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    Anonymous

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    Als Antwort auf: Bedenken zurückgewiesen
    Warum muss immer mehr Grünfläche bebaut werden? Die Gemeinde hätte das Grundstück neben dem Betreuten Wohnen kaufen sollen und dort ein Altenheim bauen, das wäre mitten im Dorf und nicht neben dem Friedhof

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    Lars

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    Als Antwort auf: Bedenken zurückgewiesen
    „Die Gemeinde gehe verantwortungsvoll mit dem Thema um.“ Ja, sieht man ja. Nicht ein einziger Einwand wurde tatsächlich berücksichtigt. Es wurde mal wieder alles wie im stillen Kämmerlein bereits vorab festgelegt durchgezogen.
    Somit verkommt die immer wieder vorgebrachte, oben zitierte Aussage endgültig zur fadenscheinigen und hohlen Floskel.

    „… dass es in Jöhlingen Straßen gebe, bei den an den Anliegern täglich 8000 oder 16.000 Autos vorbeifahren. Beim SZ gehe es um einen Bruchteil. Das sei „bitteschön, sehr überschaubar“. Wer bitte vergleicht hier die Verkehrssituation an der B293 mit einem größtenteils verkehrsberuhigten Baugebiet, in dem genau aus diesem Grunde viele Familien mit Kindern wohnen? Einen berechtigten Einwand pauschal damit zu beantworten, dass es an anderer Stelle noch schlimmer ist, ist schlichtweg eine Unverschämtheit. In Analogie werde ich zukünftig keine Strafzettel mehr bezahlen mit dem Hinweis, andere Autofahrer wären noch schneller gewesen und somit mein Verstoss vernachlässigbar. Vorsichtig formuliert kann man da nur noch den Kopf schütteln bei solcher Ignoranz und diesem Dilletantentum.

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    Kraichgauer

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    Als Antwort auf: Bedenken zurückgewiesen
    „täglich 8000 oder 16.000 Autos …? “ Ja, so wird halt weiter daherschwadroniert, in altbekannter Dorfschultes-Manier. Und überhaupt, die armen Menschen in Afrika, denen gehts doch noch viel schlechter. Aber einen Kotau bei den „Erfordernissen des Großbetriebs“ und flugs noch eine Straße einstimmig beschlossen. Man will nicht glauben, dass wir inzwischen 2018 schreiben.
    Dennoch, alle öffentlich und nichtöffentlich Beschließenden demokratisch legitimiert, wieder und wieder, vom mehrheitlich offensichtlich nachhaltig begeisterten Wählerpublikum. Eines muss man aber den kommunalen „Entscheidungsträgern“ attestieren. Ein gewisser Sinn für rationelle Verkehrsanbindung ist schon vorhanden. Zumindest was den „letzten Weg“ der künftigen Residenten im Seniorenzentrum betrifft.

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