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Alternative gesucht

Im Attental formiert sich Widerstand gegen B293-Trasse
Die B293-Umgehung für Jöhlingen steht schon seit Jahrzehnten auf der Agenda der Gemeinde Walzbachtal. Alle Anstrengungen für ihre Realisierung verliefen bisher im Sand. Jetzt allerdings keimt bei Bürgermeister, Gemeinderat und den Anliegern der besonders betroffenen Jöhlinger Straße wieder Hoffnung. Die Umgehung wurde vom Bundesministerium für Verkehr in Berlin in den vordringlichen Bedarf eingestuft. Da die Planung schon im fortgeschrittenen Stadium ist, sei damit zu rechnen, so unterrichtete Bürgermeister Karl-Heinz Burgey den Gemeinderat, dass bald mit der Vorentwurfsplanung begonnen werden könne. Der von ihm im letzten Jahr genannte Termin Januar 2018 könne aber wahrscheinlich nicht gehalten werden.

Gute Laune beim vor-Ort-Termin: Mitglieder der Bürgerinitiative „Pro Jöhlingen“ neben der Marienkapelle

Die aktuelle Planung des Regierungspräsidiums sieht die Anbindung an die alte B293 aus Richtung Wössingen und die Unterführung der Bahnlinie Jöhlingen – Wössingen vor. Der Abstand der Trasse von der Wohnbebauung beträgt in der Luftlinie zum Wielandweg 28 rund 250 Meter, zum Asternweg 6 rund 215 Meter, zum Krokusweg 250 Meter und zum Wiesenweg 275 Meter.

In Jöhlingen war bisher die Stimmung einmütig: die Umgehung muss her. Diese Position wurde vom Gemeinderats mehrfach in einstimmigen Entscheidungen festgeklopft. Jetzt rührt sich erstmals Widerstand. Aus den Reihen der Bewohner des besonders betroffenen Baugebiets „Attental“ hat sich die „Bürgerinitiative Pro Jöhlingen e.V.“ (BI) gebildet. Bei der konstituierenden Sitzung wählten die zwölf Gründungsmitglieder ihre Führung unter der ersten Vorsitzenden Sibylla Nordwig-Krauß und den Stellvertretern Ralf Schmid und Michael Zoller. Der Antrag auf den Status des eingetragenen Vereins wurde beim Amtsgericht Durlach gestellt.

Schon vorher hat die rührige Gruppe ihr erstes Auftreten gründlich vorbereitet. Unter dem Motto „Eine sinnvolle B 293 Lösung für Mensch und Natur“ wurde eine homepage (
  • www.umgehung-joehlingen.de ) eingerichtet, auf der man sich das entsprechende Protest-T-Shirt im BI-webshop bestellen kann. Auf ihm prangt nicht von ungefähr die Marienkapelle als Logo auf der Brust, fürchtet die BI doch ihr Abschneiden vom Ortsetter durch die aktuelle Planung. Die platte Forderung „Keine B293-Umgehung“ findet man auf der homepage der BI nicht. Ebensowenig im persönlichen Gespräch mit den BNN. Die Aktiven sperren sich nicht grundsätzlich gegen eine Umgehungsstraße. Sie legen vielmehr Wert darauf, eine umweltverträgliche Lösung zu finden. Die sei ihrer Ansicht nach allerdings mit der aktuell vom Regierungspräsidium favorisierten Trasse nicht gegeben. Durch den geplanten Verlauf der B 293 sei die Idylle des flächenhaften Naturdenkmals „Attental“ gefährdet. Es müsse eine nachhaltige Lösung der Ortsumgehung Jöhlingen geben, ohne das Naturdenkmal „Attental“ für Mensch und Tier zu zerstören.

    Als die ökologische und nachhaltige Alternative für Mensch und Natur bezeichnet die BI die vom Regierungspräsidium ausgeschlossene Trassenvariante 1. Sie führt eng an die existierende Bebauung heran und als Tunnellösung der Bahn entlang unter dem „Attental“ hindurch. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht!“ sagt Sibylla Nordwig-Krauß und verweist auf eine gemeinsame Begehung der geplanten Trasse mit Vertretern des NABU, der BUND und des Landesumweltverbandes. Die Umweltschützer seien entsetzt gewesen von den zu erwartenden Auswirkungen auf das Naturdenkmal, berichtet Sibylla Nordwig-Krauß.

    Die Gruppe hat schon das Gespräch mit dem Bürgermeister gesucht. Ein „atmosphärisch sehr gutes Treffen“, sei das gewesen, meint Ralf Schmid. So charakterisiert es auch Karl-Heinz Burgey. Wenn Bürger Interesse an dem Thema entwickeln sei es grundsätzlich gut. Er habe allerdings darauf aufmerksam gemacht, dass die Initiative sich intensiv mit den Plänen und Überlegungen befassen sollte, die in der Vergangenheit schon diskutiert und verworfen wurden. Dazu zählte er insbesondere die von der BI favorisierte, ortsnahe Tunnellösung. Sie sei dem Gemeinderat vorgestellt und hauptsächlich aus technischen aber auch aus finanziellen Gründen ausgeschlossen worden.

    Mitte Januar will sich die Gruppe mit Axel Speer, leitender Baudirektor im Regierungspräsidium, treffen. Er wies auf Nachfrage darauf hin, dass man für eine Tunnellösung ins „Gageneck“ hätte hineinschwenken müssen, um die notwendigen Radien für eine Umgehung mit Tunnellösung zu erhalten. Im Jahr 2012 sei allerdings die Gemeinde mit ihren Planungen für das Neubaugebiet Gageneck schon so weit fortgeschritten gewesen, dass eine Umkehr nicht mehr möglich gewesen wäre. Außerdem wäre diese Lösung auch kostenmäßig aus dem Ruder gelaufen. .

    Die Bürgerinitiative sucht den Kontakt mit anderen Betroffenen. Einen publikumswirksamen Auftritt hat sie sich für Sonntag, den 4. März vorbehalten. Bei einer größeren Aktion will sie direkt vor Ort bei der Marienkapelle mit den Bürgern diskutieren. Bis dahin haben Interessenten schon einmal die Möglichkeit, sich über die Ziele auf der Homepage zu informieren.
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    Kommentare (5)

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      Michael

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      Als Antwort auf: Alternative gesucht
      Das mit der Entfernung von etwas mehr als 200m zur Wohnbebauung sollte möglichst vermieden werden. Eigentlich muss es bei einem Neubau möglich sein, hier einen größeren Abstand zu wahren, damit die Wohnqualität der Anwohner nicht zu sehr leidet. Für die Immobilienbesitzer ist mit der Umgehung sicherlich ein erheblicher Wertverlust verbunden. Auch würde mich einmal interessieren, wie sich der Verkehrslärm einer höher liegenden Straße, bei Südwestwind, einem ansteigenden Gelände über das Attental bzw. den ganzen Ort ausbreitet…..

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      Harald Kann

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      Als Antwort auf: Alternative gesucht
      Eine direkte Verbindung der B293 zur B3 südlich von Weingarten wäre optimal. War ja 1985 auch mal geplant, soweit ich das gelesen hatte. Das Verkehrsaufkommen in Berghausen und in Weingarten (zugeparkte Jöhlinger Straße) ist inzwischen unzumutbar. Warum geht man eigentlich davon aus, dass der gesamte Verkehr Richtung Karlsruhe geleitet werden muss?

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      Gondelsheimer

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      Als Antwort auf: Alternative gesucht
      Ich fürchte, das würde keine grosse Entlastung bringen. Auf welcher Relation sollten die Leute denn da unterwegs sein? Die Entlastung kann nur in Punkto Durchgangsverkehr erfolgen. Wer aber in oder nördlich von Weingarten startet und östlich Jöhlingen hinfährt, hat schon jetzt Alternativen. Dann blieben nur noch die Grötzinger nördlich der S-Bahn als potentielle Nutzer übrig?
      Karlsruher/Durlacher wird man da wohl kaum darüberlenken können. Es sei denn Berghausen geht dann von Tempo 30 noch auf Tempo 10 runter 😉

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      Kraichgauer

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      Als Antwort auf: Alternative gesucht
      Die sog. Mauertaltrasse (südl. Weingarten auf die B3) ist der sprichwörtliche Schnee aus dem letzten Jahrhundert. Die wird nie kommen, auch wenn sich die Wengerter, die sie damals ja mit verhindert haben, heute in Anbetracht der Misere ihrer Jöhlingerstraße in ein bestimmtes rückwärtiges Körperteil beißen könnten 🙂

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        Harald Kann

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        Schade, schade, es könnte alles so einfach sein.

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