Header

Abriss tut noch weh

Der Abriss des alten Wössinger Rathauses hat begonnen. Die Firma, die auch schon mit dem Abriss des ehemaligen Wössinger Feuerwehrgerätehauses beauftragt war, ist seit Anfang dieser Woche mit schwerem Gerät vor Ort. 600.000 Euro kostet der Hitachi-Spezialbagger, der mit allen Finessen der Abbruchgeschäfts ausgestattet ist. Am Mittwochnachmittag fraß er sich mit Getöse erstmals in das Obergeschoss des mittlerweile alten Rathauses.

Das blieb nicht unbemerkt. Das Spektakel hat von Anfang fast schon touristischen Charakter angenommen. Die Zahl der Schaulustigen ist enorm, die sehr oft auf der gegenüberliegenden Seite Aufstellung nehmen und den Fall des alten Rathauses beobachten und festhalten wollen. Viele haben Kameras dabei, die eifrig klicken.

Väter packen ihre Kinder in den Bollerwagen und der begeisterte Nachwuchs hält dort lange aus, ehe es langweilig wird. In einem bestimmten Alter wollen nun mal fast alle Jungs Baggerfahrer werden. Den ersten Anschauungsunterricht genießen Samu und Oskar Ritter. „Ein Ferienspaßprogramm allererster Güte, das noch nicht mal was kostet“, freut sich Papa Björn Ritter.

Er wird noch eine geraume Zeit zu diesem Ferienspaßprogram kommen können. Der Abriss für Erdgeschoss bis Dach wird zwei bis drei Wochen andauern, informiert die Pressesprecherin der Gemeindeverwaltung auf Nachfrage. Der Abbau des Kellers wird dann eine weitere Woche dauern, obwohl er nur bis auf 1,5 Meter abgerissen wird. Die Bodenplatte und die Restmauern werden verfüllt, ergänzte Annika Müller.

Direkt nach dem Umzug, ab dem 24.07.2017, hat die Entsorgungsfirma mit der Entkernung des Gebäudes begonnen. Vor dem Abbruch wurde der Grundstein sowie die Grundsteinkapsel und die Grabplatte gesichert, die sich im Treppenhaus des Erdgeschosses befand. Diese Grabplatte wird aktuell im Bauhof zwischengelagert, bis sie in der Aussegnungshalle in Wössingen ihren endgültigen Platz findet. Die Replik des Wössinger Römerkellers im Aufgang zum Obergeschoss wird hingegen vollständig dem Baggerzahn zum Opfer fallen. Sie wurde nicht gesichert. Das Wandrelief mit Wössinger Motiven aus dem ehemaligen Sitzungssaal wurde schon vor Jahren ausgebaut.

Immer noch sind keineswegs alle vom Abriss des Wössinger Rathauses begeistert. „In der Seele weh“ tut es beispielsweise Oswald Friedrich, als er den Beginn des Abrisses beobachtet. Er hatte schon die Grundsteinlegung am 16. März 1968 begleitet. Das gilt erst recht für Andreas Tillmann. Er leitete 1967 und 1968 als Polier die Bauarbeiten an dem Rathaus. Der damalige Bürgermeister Adolf Schmidt habe ihm versichert: „Andreas, das ist ein Rathaus für Generationen!“ Umso mehr schmerze ihn, was er zurzeit von seinem nur wenige Meter entfernten Haus beobachten müsse.

Trackback von deiner Website.

Kommentieren

Home Footer Links