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2 machen den Anfang

So unterschiedlich können Wahlkampfveranstaltungen sein

Die Berichterstattung über den Wahlkampf zur Bürgermeisterwahl wird eine sehr umfangreiche Aufgabe. Alle Veranstaltungen aller Kandidaten zu begleiten ist ein Ding der Unmöglichkeit, zumal einige sogar parallel stattfinden. Gestern Abend habe ich dann aber genau das versucht und das Rumpelstilzchen gemacht.

Konkurrenten auf Distanz: Michael Paul und Iris Würtz

Ich habe den Anfang des Bürgergesprächs von Iris Würtz beim FV04 Wössingen verfolgt und bin nach der Halbzeit in die Scheune des Wössinger Hofs geflogen, wo Michael Paul zum „Themenabend Kinder&Jugend“ nicht nur die Öffentlichkeit eingeladen, sondern ganz speziell alle Kindergärten, Schulen, Horte angeschrieben hatte.

Die beiden Veranstaltungen hätten kaum unterschiedlicher sein können. Das macht es schwierig, die Neutralität zu wahren und nicht ins Subjektive abzugleiten. Das gilt im Übrigen für die gesamte Berichterstattung über diesen Wahlkampf. Ich bin mir dessen bewusst, dass es nicht immer nur „Fakten, Fakten, Fakten“ (wie Fokus-Gründer Markwort mal so schön formulierte) sein können, werde aber versuchen, Subjektives als solches zu kennzeichnen.

Die Zahl der Besucher bei der Veranstaltung von Iris Würtz war sehr übersichtlich

Ich will bei den reinen Äußerlichkeiten der beiden gestrigen Veranstaltungen anfangen. Es war schon mehr als überraschend, in den großen Saal im Obergeschoss des FV04 zu kommen und dort neben Iris Würtz und ihrem Mann nur vier Besucher zu sehen. Das stand in schroffem Kontrast zu der technischen Vorbereitung und Durchführung. Vier Personen über das Mikrophon zu beschallen sah schon komisch aus. Das änderte sich erst, als sich Iris Würtz nach ihrem halbstündigen Vortrag zu der kleinen Gruppe gesellte, die dann aber umso leidenschaftlicher diskutierte.

Ich habe sicher nur einen Bruchteil der sich anschließenden Diskussion verfolgt. Auf den Ausführungen von Iris Würtz baute sie zumindest in diesem Zeitraum nicht auf. Denn nach der Beschreibung der beruflichen Laufbahn reihte sie eine Reihe von Zielen aneinander, die eigentlich von jedem befürwortet werden kann. Öffentliche Werte wolle sie schaffen im Bereich der Bildung, Infrastruktur und neue Technologien, wolle die Ausweitung des kulturellen Angebots. Sie trete an, um auf die Finanzen den Fokus zu legen und den Haushalt zu stabilisieren. Die Gelder seien in Walzbachtal im Bermuda-Dreieck verschwunden und deshalb stehe die Gemeinde nicht so gut da. Sie wolle nach einer Bestandsanalyse einen Ortsentwicklungsplan bis 2035 entwerfen. Sie setze auf das „Riesen-Potential“, das mit dem KIT vor der Walzbachtaler Haustür schlummert. Details zu allen diesen Stichworten habe ich vermisst.

Gut besetzt hingegen die Tische im Wössinger Hof

Ganz anders dagegen die Veranstaltung im Wössinger Hof. Die Tische waren mit es mögen über 40 Personen gewesen sein gut besetzt und selbst auf der Bühne saßen und vor ihr standen Besucher. Unter ihnen allerdings viele Auswärtige, denn Michael Paul hatte zu dem „Themenabend Kinder&Jugend“ die komplette Riege der Kindertagesstätten, Horte und die beiden Schulen eingeladen. Deren Vertreter stellten denn auch einen Gutteil der Besucher. Auf der anderen Seite auch eine stattliche Zahl aus den Reihen der politischen Konkurrenz. Die SPD war fast in Fraktionsstärke präsent und wollte sich wohl Fingerzeige darauf verschaffen, wie ihr Favorit Timur Özcan in zwei Tagen bei seinen Veranstaltungen im Teem One (Donnerstag 19.00 Uhr) und im Lamm (Freitag 19 Uhr) agieren sollte. Neutral dazwischen ein ebenfalls stattliche Delegation der Grünen unter der Führung der Fraktionsvorsitzenden Andrea Zipf.

In der von Rene Rose assistierten über einstündigen Power-Point-Präsentation erwies sich Michael Paul als fundierter Kenner dieses Bereichs der kommunalpolitischen Arbeit und wies stolz auf die Spitzenposition hin, die Walzbachtal in Baden-Württemberg bei der Quote in der Kleinkindbetreuung hat. Dem altgedienten Gemeinderats-Schlachtross, das nach 20 Jahren den Gemeinderat verlässt, war andererseits bewusst, dass auch Kommunalpolitik dem Bohren dicker Bretter gleicht. Beispiel gefällig?: „Obwohl es jeder will, ist bis heute noch kein Radweg in Jöhlingen entstanden. Das ist es, was uns im Gemeinderat verzweifeln lässt“.

Während bei Iris Würtz heftig diskutiert wurde etwa um den neuen Standort des Feuerwehrgerätehauses zwischen Wössingen und Jöhlingen oder die in Jöhlingen verpasste Gemeinschaftsschule, blieb die Diskussion im Wössinger Hof völlig aus. Erst nach langem Zögern und Aufforderung von Michael Paul wollten sich zwei, drei Disputanten zu Wort melden, was sich dann auf Lob für die Arbeit in den Kindergärten beschränkte und nicht wirklich zur Diskussion führen konnte. Zu der besteht allerdings bald die Möglichkeit in der zweiten Paulschen Veranstaltung am 18. Juni um 19 Uhr im Weingut Schäfer in Jöhlingen. Sie wird dem Thema „Gewerbe und Infrastruktur“ gewidmet sein.

Und noch einen letzten Hinweis außerhalb der beiden Veranstaltungen. Terminiert hat jetzt auch Mitbewerber Siegfried Weber seine beiden Informationsveranstaltungen. Er lädt am Dienstag, 11. Juni ins Wössinger Dolce Vita ein, am Freitag den 14. Juni ins Jöhlinger Lamm. Beginn jeweils 19.30 Uhr.

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