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Gesegnete Kräuter Alter christlicher Brauch in Flehingen - Sickingen

Als Oskar Weber aus Flehingen im Sommer 1997 seinen Urlaub in Italien verbrachte, erlebte er dort an „Maria Himmelfahrt“, dem katholischen Nationalfeiertag, das Fest der Kräuterweihe. Angetan von dieser schönen Feier, brachte er nach seiner Rückkehr im Pfarrgemeinderat seine Idee vor: Ein Pfarrfest im Anschluss an den Gottesdienst an diesem Tag für Flehingen und Sickingen! Bereits zwei Jahre später wurde dieser Vorschlag in die Tat umgesetzt. Und so feierte man am vergangenen Dienstag vor der St. Magdalena Kirche zum 18. Mal das „Sommerfest“ – oder ursprünglich auch „Fest für die Daheimgebliebenen“ genannt.

20170815-DSC_0288 a Pfarrer Wolfgang Winter freute sich, mit dieser schönen Zeremonie sein erstes Jahr in Flehingen abschließen zu dürfen, wo er am 16. August 2016 sein Amt angetreten hat. „Es war sehr schön, heute so ein vollbesetztes Haus vorzufinden“, berichtete der Pfarrer beim gemütlichen Beisammensein auf dem Kirchenvorplatz und Altpfarrgemeinderat Heinrich Kowarsch fügte stolz hinzu: „So voll ist es nicht mal an Weihnachten in unserer Kirche!“ Da die ausgelegten Gesangbücher nicht für den Ansturm von rund 300 Besuchern reichten, musste sogar noch eine weitere Kiste „Gotteslob“ herbeigeholt werden.

20170815-DSC_0286 a Der Tag der Kräuterweihe ist besonders in ländlichen Gegenden bis heute sehr lebendig. Am Vorabend von Maria Himmelfahrt wurden vom Frauenkreis über 100 leuchtend bunte Sträuße gebunden aus Feld- und Wiesenblumen, Kräutern und Getreideähren. Der Kreativität der 13 Helferinnen waren dabei keine Grenzen gesetzt. Blutströpfle, Rosmarin, Bohnenkraut, Schafgarbe und Löwenmäulchen waren unter anderem im Strauß von Gertrud Rübenacker zu finden, der wie alle anderen Gebinde im Anschluss gegen eine kleine Spende erworben werden konnte.

Erich Striegel, 86 Jahre aus Flehingen freut sich mit Pfarrer Wolfgang Winter

Erich Striegel, 86 Jahre aus Flehingen freut sich mit Pfarrer Wolfgang Winter

Aber auch eigene Sträuße wurden von den Flehingern in die Kirche mitgebracht, um sie für das kommende Jahr segnen zu lassen. Erich Striegel, 86 Jahre alt, kommt seit er zurückdenken kann, mit einem von ihm selbstgebunden „Buschen“ zur Kräuterweihe. Für die katholischen Bürger ist diese Tradition vor allem ein Ausdruck der Achtung vor der Schöpfung. Die Heilkraft der Pflanzen gilt als Symbol für die Zuwendung Gottes an die Menschen. Der Zusammenhang zwischen Maria und den Kräutern begründet sich in Legenden aus der Frühzeit der Kirche. Sie berichten, wie der Gottessohn seine Mutter in den Himmel aufgenommen hat und die Apostel beim Öffnen des Grabes nur noch Rosen vorgefunden haben. Ute Antoni, Gemeinderätin, findet, dass in diesem Tag auch immer eine gewisse Nostalgie stecke. „Die Marienverehrung ist etwas fürs Herz. Oftmals wird diese ja mit Kitsch in Verbindung gebracht, aber für mich gehört ein wenig Kitsch zum Leben dazu“, erzählt sie lachend.

Oberderdingen Zusätzlich gab es in diesem Jahr auch das Jubiläum von zehn Jahren Seelsorgeeinheit zu feiern. Fünf Kirchtürme und drei Pfarreien gehören zu Sickingen mit seiner Filiale in Zaisenhausen, Flehingen und Sulzfeld mit Filiale in Kürnbach. Zu diesem Ehrentag brachte der Heimatkreis Oberderdingen e.V. das „Ortsfamilienalbum Sickingen“ heraus. Den historischen Bildband stellte Oberderdingens Bürgermeister Thomas Nowitzki voller Begeisterung in seiner Ansprache vor. Er sei eine wertvolle Erinnerung an eine vergangene Zeit. Augenzwinkernd plauderte er aus dem Nähkästchen, dass die alten Fotografien ihn beim Studieren der Chronik so sehr fesselten, dass seine Frau nach längerer schweigsamer Zeit aus der Küche ins Wohnzimmer rief, ob er schon eingeschlafen sei, weil es so ruhig sei.
Aussuchen der gesegneten Kräutersträuße

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